Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 136
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Wahns wird so zum Verbrechen am Leben,
dem es zu dienen vermeinte.

Schiwa, bald gnädig, bald unheilvoll, haust
auf des Himalaja nördlichstem Gipfel. Allen
Erdengrund tief unter sich lassend, steigen die
Bergmassen in die unendliche Höhe und Weite
empor; zerrissener werdend, je näher sie dem
Gott kommen. Ungeheure Wüsteneien umgeben
seinen Thron. Die Sonne tastet sich nur als
fahler Schein durch und webt die grausige
Fata morgana des Gottes, der als Gespenst hier
oben und über aller Welt waltet.

Die Blätter gehören zu den nachdenklichsten
Schöpfungen, die aus den grauenhaften Kriegsjahren
und ihrem sinnlosen Wüten geboren wurden.

In das Gebiet der Magie führt uns die Beschwörung
. Mächtiger Friedhof. Flackernder
Feuerschein prasselt und knackt durch die stille
Einsamkeit. Unter Gedenksteinen und Totenschädeln
beschwört ein Mensch mit gierig gespreizten
Händen dunkle Mächte. Da ersteht
ihm aus dem eigenen Schatten riesengroß der
Dämon, den er sucht — der ihn wie eine blutlechzende
Kreuzspinne an sich reißt. So verschlingt
jeder Wahn den, der ihn geboren.

Das schwanke Haus ist nur mehr ein Schemen
, eine Erinnerung, die der Herbststurm an
der Stelle heraufbeschwört, da es einst stand.
Seine Bösartigkeit wirkt weiter und weckt Grausen
in dem, der um das Geheimnis weiß. Ja
es geht um wie ein Gespenst, das zum Alpdruck
wird (Traum). Es bedrängt einen von
allen Seiten, dringt in unseren Schlaf, kreist
um die schauernde Seele, die wie ein frierendes
Kind inmitten dieses Wirbels hilflos sich fühlt.

Diese letztgenannten Arbeiten und die Mappe
zu Meyrincks Romanen lassen dem Künstler
ein gutes Horoskop stellen. Möchten das vor
allem die Freunde solch gedanklicher Kunst
bedenken. Jos. Popp

FRITZ SCHWIMBECK

BESCHWÖRUNG (FEDERZEICHNUNG)

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