Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 154
(PDF, 78 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_45_1922/0192
nicht geleugnet werden, daß dieser kranken
Psyche positive Werke entstiegen sind. Aber
wahrhaft innerlich froh war doch nur die gesunde
sanguinische Natur in ihm. Wenn er
nach Berlin zurückgekehrt, nach dem Sonnenüberfluß
des Südens, mit gleicher Frische und
Intensität nördliche Kühle und Tonigkeit der
Farbe erlebt in dem bekannten „Blick über die
Dächer"(Nationalgalerie Berlin),lebt in ihm ganz
der freie Sinnenmensch. Man kann auch hier den
Ausschnitt, wie im Sinne Menzels, geistreich
nennen. Man tut der Skizze sicher unrecht,
wenn man eine Komposition als Grundform
und Vormaß für die Farbstimmung annimmt.
Es ist nur jener einfache Sinn, der geraden
Wegs ohne besondere Einstellung dem Erlebnis
der silbergrauen Harmonie nachgeht, die vor
ihm nur bei Constable anzutreffen ist. Der
Name mußte Blechen von Dahl her bekannt
sein. Mit Constable teilt Blechen auch die farbigen
Abstufungen des Grün in der Landschaft.

Der Neoimpressionist Signac hat aus der Lehre
Constables in einer kleinen Schrift ein ganzes
Programm aufgestellt. Der Blick durch den Wald
bei Spandau, besonders die Skizze (Nationalgalerie
Berlin) zeigen den Reichtum der Skala der
Laubfarben. Und in dem Palmenhaus auf der
Pfaueninsel ist mit einer weisen Ökonomie im
Farbauftrag ein weiches Licht über diese Skala
ausgegossen, welches auch den farbigen Schatten
mild durchsonnt. Die letzten Jahre seines Schaffens
werden von großen Gemälden wie Skizzen
bestritten. Besonders sind es einfache märkische
Motive, die in Ausschnitt und Farbe eine einfache
Größe zeigen, die selten wieder erreicht
ist. 1837 verfällt er unheilbar einem Gehirnleiden,
dem er 1840 erliegt.

Er ist einer der größten Koloristen der Landschaftsmalerei
des Jahrhunderts und gewinnt
von dieser Seite in unseren Tagen wieder erhöhte
Bedeutung.

W. Kurth

KARL BLECHEN

AMALFI (MÜHLENTAL)

154


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_45_1922/0192