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ERICH BÜTTNER
NEUBAUTEN
auf sich selbst; sie suchte und fand als Ausgangspunkt
zu Neuem den Anschluß an die alten deutschen
Meister. Dabei knüpfte sie in vielen Fällen
nur an Überlieferungen an, die erzwungenen Beeinflussungen
zum Trotz sich bis in die achtziger
Jahre lebenskräftig erhalten hatten.
Diesen Weg ging Erich Büttner.
War das Studium der Natur der Vorhof
seiner Kunst, so stand das Problem „Menzel"
an der Eingangspforte seines Schaffens: Als
Wunsch, Realität zu geben; als Drang, alle
Dinge der Welt in den Bereich der Darstellung
zu ziehen; als Forderung, sich die Fertigkeiten
anzueignen, ohne deren Besitz jegliche
Äußerung künstlerischen Wollens unmöglich ist.
Bei einer reichen Fülle von Aufgaben zwingt
Büttners Fleiß sein angeborenes Talent in die
Fesseln eines starken Willens, wodurch der Spieltrieb
, der in ihm als Menschen und Künstler
steckt, entschieden zurückgedrängt wird. Wenn
sich die Motive für die Bilder zunächst fast ganz
auf Landschaft und Stilleben beschränkten, erklärt
es sich aus dem Bedürfnis, das Objekt von
allen Seiten immer wieder anzufassen, was sich
beim Menschen nicht ohne weiteres verwirklichen
ließ. Die Büttnersche Palette, anfangs noch
dunkel, fast schwärzlich gestimmt, erfuhr durch
ständige Tätigkeit des Malers im Freien eine zunehmende
Aufhellung und zwar nach dem Vorbild
der Aquarelle des Menzelschen Kinderalbums,
die immer und immer wieder studiert wurden.
Schnelles Fortschreiten auf diesem Wege führte
über den Menzelschen Kolorismus zu einer
Lockerung der Form und näherte den jungen
Maler äußerlich den französischen Impressionisten
, insonderheit Monet. Bemerkenswert
für Werke aus jener Zeit ist eine Vorliebe für
starkes Blau, das sich fast mit jeder anderen
Farbe verbindet oder alle Flächen in leichtem
Geriesel durchzieht. Die farbenfreudige Kolo-
ristik lockerte nur das strenge Gefüge der
Bildarchitektur. Gegenständlich interessante
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