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ERICH BÜTTNER
DER ALTE GARTEN
um das tägliche Brot zwang schon den Jüngling
zur Beschäftigung mit dem Kunstgewerbe
und der Kleingraphik, in der die Exlibriskunst
ein bevorzugtes Gebiet wurde. Als noch die
Forderung des „l'art pour l'art" alles Recht für
sich glaubte beanspruchen zu dürfen, griff er
praktische Aufgaben an, wie sie der Kunst in
Zeiten hoher Blüte immer eine Stütze gewesen
sind, und wie sie ihr, wenn nicht aller Schein
trügt, in Zukunft die einzige Rettung sein werden
. So entstand auf dem natürlichsten Wege
eine Verbindung von Malerei und Leben zum
Nutzen beider.
Das Gesagte entbehrt zum guten Teil des
Beweises für den, der die Werke nicht vor Augen
hat. Nur eine kleine Auswahl können wir aus
der Fülle der Büttnerschen Arbeiten bieten,
aber sie genügt vielleicht, um der Entwicklung
des eigenartigen Künstlers nachzugehen.
Der „Alte Garten" (Abb. S. 165) und der
„Sonnige Spielplatz" (Abb. S. 166) führen in
die Anfänge der Büttnerschen Ölmalerei zurück,
die sich gerade aus den Vorstellungen Menzelscher
Art gelöst hatte. Sie nimmt zum ersten
Male Stellung zum Lichtproblem der neueren
Malerei. Noch beruht das Bild auf dem Eindruck
, wie ihn das Spiel bunter Farben im
Augenblick auslöst, aber innerhalb des Strebens,
ihn auf die Leinwand zu bringen, macht sich
bereits die Absicht geltend, über das Augenblickliche
zum Bleibenden zu kommen. Nach
und nach umgeben sich die Farbenflächen mit
leichtem, an den Einzelkörper gebundenen Kontur
. Sogar bei Bildern ist dies der Fall, die
starke Bewegungsmomente enthalten. Büttners
„Sportplatz" (Abb. S. 164) darf in dieser Hinsicht
besonderes Interesse beanspruchen. Er
stellt nicht nur für den Künstler, sondern
für die gesamte deutsche Malerei eines der
charaktervollsten Werke aus der Zeit des Überganges
vom Impressionismus zum Expressionismus
vor. Freilich gelangten auch Maler wie
165
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