Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 169
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ADOLF VON MENZEL

PINSELZEICHNUNG AUF GLAS

EIN MENZEL-FUND

Noch immer erfährt das Menzelwerk durch
kleine Funde seltsame Bereicherung. Daß
Menzels Arbeitsenergien darauf hinzielten, aus
jedem äußeren Auftrag sich eine innere Forderung
zu stellen, wissen wir nicht nur aus
den Lithographenjahren von 1830—40, sondern
auch noch aus vielen Gelegenheitsarbeiten der
späteren Jahre. Fünf kleine Pinselzeichnungen
auf Glas, die hier veröffentlicht werden, bilden
eine neue Überraschung. In Deckweiß mit voller
Modellierung der Formen zeichnet der Künstler
verschiedene Szenen auf Glas. Das gleiche
Format des Glases setzt eine bestimmte Verwendung
voraus. Es ist das Format, das noch
heute für die Glasbilder der Laterna magica
verwendet wird. Und die Deckfarbenmalerei in
Weiß, welche die Modellierung im negativen
Sinn übt, d. h. die beleuchteten Teile der Formen
nur schwach lasiert, so daß der Glaston
durchschimmert, und die eigentlichen Schattenformen
stark deckend weißt, bekommt eine
größere Lebendigkeit, wenn man die Gläser
gegen das Licht hält. Die Licht- und Schattenverhältnisse
erscheinen dann umgekehrt, also
positiv, und geben eine Wirkung, welche der

der Silhouette ähnelt. So waren die Bildchen
durch die Projektion des Lichtes der Laterna
magica als halbe Schattenrisse für die Vergrößerung
auf der Leinwand bestimmt.

Ein zyklischer Inhalt läßt sich wohl kaum
in den Darstellungen finden, wir müssen sie
als Zeichnungen nehmen, die in seinem Werk
oft die Phantasie in der Malerei reiner erhielten
als in den großen Malereien selber. Wie
sehr alles sogenannt Technische seine Gestaltungsgabe
reizte, mag nur ein Hinweis auf die
Versuche mit Pinsel und Schabeisen aufzeigen.
Auch hier findet er in der negativen Modellierung
sich sofort mit erstaunlicher Sicherheit
zurecht und trifft in der friesartig sich abwickelnden
Komposition den richtigen Ton.
In klarer Abfolge des Nebeneinander folgen
sich die Gegenstände ohne besondere Überschneidungen
, die in der Schwarzprojektion des
Positivs auf der Leinwand nur verunklärend
gewirkt haben würden. Ähnlich seinen leichten
Pastellskizzen auf dunklem Papier akzentuiert
hier der Pinsel den großen Zug der Bewegung
und hebt ihn frei aus dem Grunde heraus. So
wird auf dem Weideplatz der Pferde der Hori-

ADOLF VON MENZEL

Die Kunst für Alle. XXXVII. März 1922

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PINSELZEICHNUNG AUF GLAS

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