Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 170
(PDF, 78 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_45_1922/0210
ADOLF VON MENZEL

PINSELZEICHNUNG AUF GLAS

zont tief unter den Leib der Tiere gelegt und
durch einen Zaun geschlossen, eine Form, die
im positiven Schwarzbild erst ihre ganze, fast
monumentale Wirkung entfaltet haben kann,
unter welcher aber die lebensvolle und in jeder
Bewegung charakteristische Einzelform nicht
litt. Zu einem klügelnden Stilisieren zum Zwecke
der Silhouettenwirkung auf der Leinwand ließ
sich auch hier Menzels unbestechliche Aufrichtigkeit
nicht verleiten. Er war gewohnt,
seinen Stil nicht durch abstrahieren, sondern
durch potenzieren zu erreichen. Er ließ nicht
aus, sondern unterstrich. So erscheint in diesen
kleinen Arbeiten noch eine Summe und nicht
ein Exzerpt aus dem Leben. Besonders nach
dem Zeichnungsstil vom Ende der fünfziger
bis sechziger Jahre führt uns die Tanzszene,
in der übermütige Soldateska karnevalartig
tobt, und Liebesrivalität schnell einmal zum
Degen greift. Die Springlust dieser Silhouettenbewegungen
hat in dem klebrigen Deckweiß,
welches schwer auf dem Glas zu handhaben
war, um nichts gelitten. Auch die Aufziehbrücke
wird durch die Ausschaltung jeder zweiten
Tiefenzone mit kluger Ökonomie des
Augenpunktes auf die beabsichtigte Wirkung
der belebten Hauptsilhouette für das positive
Schwarzbild gebracht. Und in den festeren

Massen der Passanten ist durch das Zaunmotiv
noch eine besondere Lockerung gebracht.

Für wen sind aber nun diese Sächelchen
entstanden? Die Platte mit dem Karpfen und
Menschenauge kann entweder nur eine Demonstration
sein, wie wir sie aus unserer Fiebel
noch kennen, oder ein Scherz, dessen Pointe
wir nicht mehr verstehen. Sollten also entweder
diese Lichtbilder auch ein Beitrag für
die Kleinen sein, der mit dem Titel des berühmten
Kinderalbums „Der Onkel den Kindern
" zu bezeichnen wäre oder jenen geselligen
Abenden gedient haben, die der noch nicht
eingekapselte Menzel in jenen fünfziger und
sechziger Jahren mit Freunden vom Schlage des
„Potsdorfer" Freundes, des Stabsarztes Puhlmann
verlebte! (Die Arbeiten befinden sich
jetzt in Berliner Privatbesitz.) Doch möchte
man wohl mehr dazu neigen, hier einen fröhlichen
Beitrag des liebenswürdigen Kinderfreundes
Menzel zu sehen, der nicht nur in
Briefen der „Bälge" Grete und Otto, der Kinder
seiner verheirateten Schwester Krigar
zärtlich gedenkt, sondern auch Freundes Kindern
, denen des Kreisgerichtsrates Martini, des
Stabsarztes Puhlmann wie auch denen von
Eduard Meyerheim, wie viele Kinderporträts
zeigen, ein Vertrauter war. W. Kurth

DIE OBEN ABGEBILDETE ZEICHNUNG ALS LATERNENBILD AN DIE WAND PROJIZIERT

170


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_45_1922/0210