Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 171
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ADOLF VON MENZEL

PINSELZEICHNUNG AUF GLAS

EIN PROPHET DES EXPRESSIONISMUS

Von Theodor Volbehr

Kunst muß, um wahrhaft Kunst zu sein, sich
von der Natur so weit wie möglich entfernen
." Wer sagt das? Nun, jeder Wortführer
des Expressionismus. Der Satz ist einer der wichtigsten
Glaubenssätze moderner Kunst und jetzt
wohl einer der bekanntesten und anerkanntesten
geworden. Und von Kandinsky bis Herwarth
Waiden schwört jeder der zahlreichen Geschichtschreiber
und Theoretiker des Expressionismus,
daß dieser Satz eine Errungenschaft der aller-
neuesten Entwicklung der Kunst sei.

Und dennoch wurde der obige Satz vor mehr
als hundert Jahren gesprochen und gedruckt!

Am 12. Oktober 1807 hielt der Philosoph F. W.
J. v. Sendling in der öffentlichen Sitzung der
Akademie der Wissenschaften zum Namensfest
des Königs Maximilian Joseph von Bayern eine
Rede, die diese Worte enthielt. Das Thema,
über das Schelling sprach, lautete kühl-akademisch
: „über das Verhältnis der bildenden
Künste zur Natur." Und der Ton der ganzen

Rede ist von jener vollendeten „Urbanität",
wie sie für höfische Veranstaltungen eine Selbstverständlichkeit
war. Aber ihr Inhalt war:
eine geradezu revolutionäre Gesinnung wider
die zeitgenössischen Kunstanschauungen. Man
hat von Schelling gesagt, er sei der phantasiereichste
unter den älteren deutschen Philosophen,
in seinen Arbeiten sprühe und funkele es von
Gedankenblitzen. In dieser Rede aber weiß er
die Gedankenblitze so geschickt durch künstliche
Nebel in den Hintergrund zu schieben,
daß sie auf seine Hörer wohl kaum wie ein
fernes Wetterleuchten gewirkt haben werden.
Um so interessanter wirkt auf uns Heutige
das Aufleuchten von Gedanken, die wir in keiner
Zeit weniger erwartet hätten, als in dem Zeitalter
des siegreichen Durchbruchs der klassizistischen
Gedanken Winckelmanns und des
Wiederauflebens der Hagedornschen Ästhetik,
daß „der höchste Gegenstand für den Künstler
die verschönerte Natur" sei.

DIE OBEN ABGEBILDETE ZEICHNUNG ALS LATERNENBILD AN DIE WAND PROJIZIERT

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