Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 180
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MAX LIEBERMANN

DORFPARTIE (1892)

munteren Badestrand und zuletzt den Garten.
Nur aus dem anfänglichen Gelegenheitsporträt
wuchs immer stärker das reine Bedürfnis nach
dem Bildnis. In dieser Entwicklung hat er sich
auf nichts verlassen, weder auf die Geschmeidigkeit
eines erprobten Motivs, noch auf eine rationelle
Anreihung von Erfahrungen zu bestimmten
Stilprinzipien, noch auf die Fertigkeit der Hand
als Virtuosentum. Sein Impressionismus war
vor der Bekanntschaft mit dem der französischen
Meister in seiner Natur ausgebildet. Nur so
konnte er als Einziger in Deutschland von ihrer
Art lernen, nicht aus den Formen ihrer Werke,
sondern aus ihrer Art zu sehen und zu erleben.
Seine Impressionen blieben keine Augenblicke
und Eindrücke; seine Impression ward Inten-
sion, Erschöpfung eines Gegenstandes. Seine
Fähigkeit, dem Erlebnis des Auges zu vertrauen,
war nur der Ausdruck einer stetigen Energie,
der einer unbestechlichen Aufrichtigkeit und
Wahrhaftigkeit die Stärke eines Glaubens

verlieh. Kein Alter scheint bei Liebermann
diese Strömung verlangsamen zu wollen.

Ein symphonischer Reichtum wogt in den
Stimmungen seiner Gartenbilder. So sehr der
Gegenstand auf den Garten seiner Wannseevilla
sich beschränkt, das Motiv hat der Gegenstand
noch nie gedungen. Des Meisters Phantasie
eilt souveräner denn je auf die Kürze des
Ausdrucks hin und verliert sich nicht in sentimentalen
Paraphrasen. Ihr stärkstes Moment
ist diese intelligente Seite geblieben. Auch das
Enkelkind, das so oft in dieser Natur erscheint,
hat keine großväterliche Verliebtheit hineingetragen
. Liebermanns „Inhalt" hat in dem
Sinne nie künden wollen, wie Menzel in seiner
Fridericiana nie hat „verherrlichen" wollen.
Sein Inhalt ist reich, weil er immer zugleich
intensiv imLebensprozeß einbeschlossen ist. Sein
Inhalt lebt nur in den Formen, die als Entwicklung
seines Lebensprozesses zur Form werden.
Das Wogen der Farbenmassen in seinen Garten-

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