Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 184
(PDF, 78 MB)
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Macht des Natürlichen selbst sich ihm aufdrängen
muß, ist die Herrschaft über das Modell
erreicht, und es scheidet sich nicht mehr
Natur und Person. Die malerische Phantasie
ist damit der Reflexion über den Gegenstand
enthoben. In dieser Hingabe und Sicherheit
steigert sich der Lebens- und Schaffensprozeß
des Künstlers, der nun dem Darzustellenden
zugute kommt. Des Künstlers stärkeres Gefühl
für Natur kommt somit dem Porträt als Ausdruck
, als Bedeutung, als Seele zustatten.

Als Maler sieht er wie Frans Hals im Gesicht
die Fleischmaterie zuerst. Doch ist ihm
die Form eine Grundlage, die auch in der letzten
Kühnheit der Pinselbreite das Gerüst nachbaut
. Wie seine großen Berliner Ahnen, Scha-

dow und Menzel, faßt er die Form als Bewegung
der Materie im schnellen Auftauchen auf.
Er faßt die Form als Bewegung, in der Hand,
in der Falte; sie ist Funktion. Das Modell ist
überwunden und Leben bezwingt uns. In letzten
Porträts sieht man hie und da eine sehr
sparsame, aber klug verteilte und lebhaft akzentuierende
Farbe, die mehr dem Licht die Form
zu bilden überläßt und die somit öfter einen
graphischen Charakter bekommt. Auch hier ist,
wie in den Gartenbildern, da Motiv Natur wurde,
der Teil zum Ganzen geworden, und es gibt
deshalb auch im Altersstil Liebermanns nicht
im gewöhnlichen Sinne Weisheit und Beherrschung
, sondern Herrschaft.

Willy Kurth

MAX LIEBERMANN

AM STRAND (1917)

184


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