Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 185
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TEILANSICHT DER RAVENSBURGER MADONNA

Aufnahme der Staatlichen Bildstelle, Berlin

SCHWÄBISCHE RENAISSANCEPLASTIK

Von Theodor Demmler
I. CHARAKTERKÖPFE SCHWÄBISCHER BILDSCHNITZER

Deutsche Renaissance — man denkt bei dem
Wort zunächst wohl immer an Bauten, an
Möbel, an bestimmte Schmuckformen in der
Architektur und im Kunstgewerbe. Nicht ohne
Grund. Hier ist der Renaissancestil eine faßbare
Erscheinung, die sich auch dem weitesten
Kreis der Kunstfreunde eingeprägt hat. Wer
das Wort auf die Malerei und die Plastik anwendet
, muß erst erklären, was er meint.
Weder Wissenschaft, noch allgemeiner Sprachgebrauch
geben ein einheitliches Bild. Die
Meinung ist weitverbreitet, daß die Bezeichnung
Renaissance hier bloß zu Mißverständnissen
führe, weil sie, aus der italienischen
Kunstgeschichte übertragen, das Wesentliche
an den deutschen Kunstwerken außer acht
lasse. Genau besehen sei die deutsche Renaissance
entweder noch gotisch, oder schon barock.

In der Tat läßt sich in der deutschen Bild-
nerei am Ausgang der Gotik eine Bewegung
beobachten, die von dem italienischen Streben
nach Klarheit und Übersichtlichkeit der Form,
nach Herausarbeitung einer freien, edlen Darstellung
des Menschlichen, nach geläuterter,
auch wissenschaftlich begründeter Beobachtung
der Natur besonders weit abzuführen
scheint. Man hat für die Werke Hans Lein-
bergers, Hans Backoffens und ihrer Geistesverwandten
die Bezeichnung „gotisches Barock"
geprägt. Aber selbst wenn es wahr wäre, daß
diese Ausläufer der Spätgotik mit ihrer krausen
Formensprache und ihrem nicht selten äußerlich
pathetischen Gefühlsausdruck die Hauptlinie in
der Entwicklung der deutschen Kunst darstellten,
so vertreten sie doch nur eine, nicht die einzige
Richtung, in der sich der Formgeschmack jener

Die Kunst für Alle XXXVII

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