Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 191
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ADOLF DAUHER

Wien, Sammlung Figdor

MÄNNLICHER KOPF

das auf die Frömmigkeit und Gelehrsamkeit
des Mannes hinweist, eine weise Verwendung
glatter Flächen im Hintergrund: überall spüren
wir den sicheren Geschmack des Bildners, der
mit wenigen, sorgsam gewählten Worten alles
Notwendige zu sagen weiß.

Die Büsten des Augsburger Chorgestühls
(Abb.S.igou. igi),das Adolf Dauherfast50 Jahre
nach Syrlins Meisterwerk, im zweiten Jahrzehnt
des iö. Jahrhunderts, schuf, wecken vielleicht
nicht ganz dieselbe Freude wie die älteren
Arbeiten. Es ist, als wenn die innere Spannung,
die verhaltene Lebensenergie nachgelassen hätte.
Die Form ist glatter, flüssiger geworden, aber
der Ausdruck hat etwas Stumpferes bekommen.
Und im selben Maß wie das Geistige zurücktritt
, wächst die Wichtigkeit aller Zutaten: man
bewundert bei der „Judith" (Abb. S.190) fast mehr
den Kopfschmuck mit seiner fein ziselierten

Ornamentik als die Züge der jungen Frau
selbst. Das prachtvoll geschnitzte Haupt des
Holofernes, das sie in der Hand hält, wie sehr
wirkt es doch als bloßes ,,Attribut," fast wie
ein großes Schmuckstück. Alles Grausige, was
der Gegenstand ursprünglich enthielt, ist weltenfern
. Es ist die reich gekleidete Frau, die Augsburger
Patrizierin, die uns hier entgegentritt.

Auch unter Syrlins Sibyllen finden sich Gestalten
in modischer Zeittracht. Die Freiheit dem
kirchlichen Stoff gegenüber, der mehr nur den
Vorwand für die Darstellung liefert, ist nicht
das Unterscheidende an den Büsten Dauhers.
Es ist die kühle, mehr am Äußerlichen haftende
Darstellung, die der Künstler seinem
Modell angedeihen läßt. Im einzelnen kommt
er der Wirklichkeit näher als sein großer Vorgänger
. In zwei Männerköpfen, die ganz deutlich
als Fuggerbildnisse gemeint sind, hat er

xgi


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