Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 221
(PDF, 78 MB)
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strömt sind, erscheinen antikisch, ohne klassizistisch
zu sein. Immer ausschließlicher drängt
Kolbe in den folgenden Jahren, der allgemeinen
Kunstentwicklung konform gehend, von ihr getragen
und bestätigt, auf das Herausarbeiten der
einfachsten kubischen Tatsachen und gleichzeitig
auf eine Vertiefung des Seelischen hin.
Es ist mehr noch als ein Eingehen auf die
Strömungen der Zeit, eine bewußte Abwehr
gegen ein bisweilen zu willig seiner sinnlich
graziösen Natur folgendem Talent. Schöpfungen
wie der „Lucino" oder die „Assunta", beide 1921
entstanden, sind hervorragende Beispiele dieser
neuen Gesinnung. Mancher wird vor diesen
Figuren die offensichtlichen Verluste beklagen,
den Mangel an dem, was so recht eigentlich
die Schönheit Kolbescher Plastik auszumachen
scheint: quellende Sinnlichkeit und der Rhythmus
anmutiger Bewegung. Man hat den Eindruck,
als ob eine frostige Kälte über die Welt Kolbes

hereingebrochen sei. Die Form ist erstarrt.
Asketisch sind nur noch ihre kubischen Ur-
bestandteile, ihr Gerüst, gegeben. Was sie in Luft
und Licht schwellend umspielte, ist abgefallen.
Doch scheinen mir diesem Verluste beträchtliche
Gewinne für die Folge gegenüberzustehen. In
der neuen und starken Fundierung der Form,
in der neuen verinnerlichten Ausdruckskraft ist
eine sichere Basis für die weitere Entwicklung
gewonnen. Daß nicht eine formalistische Erstarrung
zu befürchten ist, dafür spricht nicht
nur eine Reihe der in den letzten Jahren entstandenen
Kleinbronzen, wie diekleine„Sitzende"
von 1919, oder die „Hockende auf der Kugel"
von 1921, in denen trotz des neuen Stiles nichts
von den Reizen des früheren Kolbe verloren
gegangen ist, sondern auch zwei seiner Monumentalfiguren
, die „große Liegende" und vor
allem die „große Sitzende", in der hieratische
Feierlichkeit zu melodischer Anmut geworden ist.

v. Alten

GEORG KOLBE

HOCKENDE AUF KUGEL (BRONZE)

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