Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 226
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ROLF VON HÖRSCHELMANN

DER FEUERREITER

wendig wie das in der Natur Gesehene. DiePhan-
tastik Jean Pauls, die Sinnigkeit Brentanos, die
lächelnde Dichtung Eichendorffs oder Mörikes
Lied gehören zu seiner Welt und mitbestimmen
sein Bilden. Nichts Absichtliches, Gewaltsames
liegt in dieser Verbindung. Er zeichnet die Natur
und das Märchen, die Wirklichkeit und das Lied.

Es ist Zeit, dem Zeichner zu folgen, wo er,
gänzlich ungebunden, die freie Landschaft
wiedergibt. In diesen neuen Schöpfungen ist
Hörschelmann vielleicht erst ganz er selber
geworden. Hier geht er allein seinen Weg,
der Natur nur innig hingegeben. Die große
farbige Zeichnung mit der mächtigen zentralen
Baumgruppe (Abb. S. 223) ist sicherlich aus dem
Natureindruck heraus gebildet. Triebhafte Bewegung
erfüllt die Natur. Es dämmert und
zuckt in der Luft und schwer winden sich die
Äste. Das erzählerische Moment ist nicht
verloren. Der Zug Frau Holles könnte hinter
der dunklen Wolkenwand heranjagen.

Der Ton des Kleinbürgerlichen zieht sich durch
die Landschaft mit dem Reiter (Abb.geg. S. 225),
deren reiche und originelle Gliederung vermerkt
zu werden verdient. In der Federzeichnung

„Herbst" (Abb. S. 225), wo sich die Bäume im
stillen Wasser spiegeln, bestimmt der Kahn mit
den beiden Menschen noch das Stimmungshafte.
Reine Naturskizzen dagegen sind die kräftigen
Federzeichnungen der „RuineWeißenstein" (Abb.
S.224), des „Bauernhofes" (Abb. S.222) und des
Dörfchens Weißenstein (Abb. S. 225). Spricht
aus dem Felsgeschiebe mit dem Turm vielleicht
noch rein motivisch die Liebe zum sonderbar
Belebten des unbelebten Naturgebildes, so bleibt
das Blatt des Dörfchens mit Baum und Häusern
auf seine letzte Sachlichkeit als kleiner Landschaftsausschnitt
angewiesen. Jetzt, wo gewissermaßen
aus dem reinen Augeneindruck heraus
nichts als ein winziges Teilstück Erde wiedergegeben
wird, offenbart sich vielleicht erst ganz
zuverlässig das gesunde Verhältnis des Zeichners
zur Natur, Und nur, wer seine eigene Technik
sich geschaffen hat, vermag bei so geringem
Aufwand des Vorgestellten noch faßbar zu
bleiben. So enthüllt wohl die kleine Naturskizze
reiner als manche seiner besten Illustrationen
Hörschelmanns festen künstlerischen
Besitz: das klare Naturgefühl und ein in Selbstzucht
gereiftes Handwerk.

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