Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 233
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PIETER BRUEGEL D. Ä.

DORFSTRASSE (KUPFERSTICH)

PIETER BRUEGEL D. Ä.

Uberraschend sieht sich der Besucher der
Museen alter Malerei in den niederländischen
Sälen inmitten der ödesten romanisierenden Ware
plötzlich einem Gemälde des alten Bauernbruegel
gegenüber. Er findet keinen Zusammenhang mit
den Nachbetungen Raffaels und Michelangelos,
die sich als gleichzeitige Arbeiten den Werken
des Vizebruegel gesellen. Aber nicht viel anders
ergeht es dem zünftigen Kunsthistoriker, wenn
er sich bemüht, das Schaffen des Stammvaters
einer großen Künstlerfamilie in einen Gang der
Entwicklung einzureihen.

Zwar es gibt eine Reihe von Vorläufern, die
mit dem Künstler eine gleiche thematische Auswahl
gemeinsam haben. Burgundische Teppiche
des späten 15. Jahrhunderts behandeln schon das
Gebiet des arbeitenden Bauern; mit vollem Rechte
hat man seine Stimmungslandschaften an die
Miniaturen der Gebetbücher, angefangen von
denen des Herzogs von Berry bis zu den Bildern
des Breviarium Grimani, angeknüpft. Man hat
auf die literarische Überlieferung hingewiesen,
die schon von Jan van Eyck genremäßige
Darstellungen berichtet; viel zu wenig aber wird
auf ein Bild, im Antwerpener Museum, aus dem
letzten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts aufmerksam
gemacht, das ein Fest einer vornehmen

Schützengilde darstellt und in gewissem Sinne
als Vorläufer Bruegelscher Schilderkunst angesprochen
werden kann in der frischen, lebendigen
Beobachtung und in dem naiven Humor,
der sich in den vielen mit Glück zusammengetragenen
Einzelzügen ausspricht. Abermitallen
solchen Fingerzeigen ist nur das anfänglich
Befremdende der Stoffwahl geklärt, durchaus
nicht aber die formale Behandlung, denn Genreszenen
haben auch unmittelbarere Vorgänger
Bruegels im 16. Jahrhundert gemalt, die Quinten
Messys,PieterAertsenundJoachimvonBeukelaer,
aber das alles noch in einer ziemlich steifen, unverkennbar
nach Italien schielenden Weise,die der des
alten Bauernbruegel gerade entgegengesetzt ist.

Häufig wird auf die Kunst des Hieronymus
Bosch hingewiesen, der Bruegel sein Bestes verdanke
. Persönliche Beziehungen zwischen dem
1516 gestorbenen Maler von Hertogenbosch und
dem ja wahrscheinlich aus der Nähe dieses Ortes
stammenden, aber erst um 1525 geborenen Bruegel
sind ausgeschlossen. Und mehr als eine Episode
war das Einherschreiten in den Fußstapfen des
gewaltigen Teufelsbeschwörers bei unserm
Künstler sicherlich nicht. Das Dämonische scheint
gegen das Ende der ersten Hälfte des Jahrhunderts
eine Modesache gewesen zu sein, der sich unter

Die Kunst für Alle. XXXVII. Mai 1922

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