Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 250
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BERNHARD BUTTERSACK

DACHAUER MOOS

Münchner Glaspalast sah, stammen aus Polling.
Hier auch hat er seine Mappen mit den wundervollen
Zeichnungen zu füllen begonnen, die
heute dem Zeichner Buttersack als einer kongenialen
Erscheinung neben dem Koloristen
Geltung verschaffen: es sind keine Zeichnungen
um ihrer selbst willen, sondern sie sind Studienmaterial
, meist recht genaue Abschriften der
Wirklichkeit, orthographisch und kalligraphisch,
aber es enthüllt sich in ihnen gleichwohl Größe
und Gewicht des Naturgefühls und der Natur-
abschilderung.

Von Polling zog Buttersack mehr nordwärts.
Dachau, das seinerzeit dem Hamburger Maler
Morgenstern zum Heil gediehen und mit seiner
Heide- und Wasserfreude ein unerschöpfliches
Studien-Reservoir geworden war, hatte seine
Anziehungskraft auf die Münchner Malerschaft
seit Morgensterns „Entdeckung" eigentlich stets
ausgeübt. Zu Mitte der 1880er Jahre lebten und
malten dort (ehe Holzel, Langhammer, Dill,
Flad, Keller-Reutlingen, Weishaupt u.a. kamen)
Uhde und Zügel — nun kam auch Buttersack
und fand in dieser Flachlandschaft mit dem
weiten, hohen Himmel über horizontalen Gebreiten
mit ganz tiefer, leise gekurvter Horizontlinie
eine Welt, die ihm unendlich zusagte. Die
hohe Farbigkeit der Dachauer Landschaft hat
er vor anderen erkannt und ausgewertet. Er
drang nun immer weiter in dieser Landschaft

vor, sah sich auch im Erdinger Moos um, malte
in Langenpreising, wo sich die Maler heute
noch gerne aufhalten, und fand, ein echter Vertreter
des deutschen Paysage intime im Sinne
Liers, Genüge an den bescheidensten Motiven
. Sie waren ihm sogar die einzig erwünschten
, denn er wollte weder durch Großartigkeit
des Gegenstands noch durch erzählenden,
landschaftlich referierenden Charakter oder
durch Vedutenhaftigkeit von dem eigentlich
Malerischen ablenken. Was Tschudi später
klug und treffend aussprach, das hat Buttersack
ahnend erfüllt: Er fühlte, daß eine ungegenständliche
Landschaft am geeignetsten ist, das
Interesse auf die malerische Ausdrucksform zu
konzentrieren und dadurch im Gegensatz zum
Figurenbild und seinem mehr anekdotischen
Inhalt den Beschauer vom Nebensächlichen
abzuziehen und aufs Wesentliche hinzulenken.
Damit, daß er seine Landschaften fast völlig
„unstaffiert" ließ, und daß er auf die eigentlich
„schönen", beziehungsreichen oder berichtenden
Motive verzichtete, begab er sich gleichwohl
nicht der reichsten malerischen Möglichkeiten.
Im Gegenteil. Er konnte nun nach Herzenslust
rein malerisch sein. Stauffer-Bern sagte einmal:
„Man kann alle Sachen, auch den Kehrichthaufen
auf der Straße, vermittels des Helldunkels in
stimmungsvolle Bilder verwandeln, es kommt
immer nur auf das ,Wie' an; wo der eine

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