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J. G. SOLANA
KANTABRISCHER HAFEN
tümlich herben und doch durch die porzellanhaft
schimmernden bunten Farben wieder weich
anmutenden dekorativen Stil fest, den man
auch bei uns seit geraumer Zeit kennt. Eugenio
Hermoso, der eine Zeitlang versprach, so etwas
wie ein spanischer Thoma zu werden, ist leider
nicht viel weiter gekommen, und Manuel Bene-
dito hat es wohl dazu gebracht, heute einer
der gesuchtesten Porträtisten in Madrid zu sein,
aber um die Lösung neuer künstlerischer Probleme
ist es ihm nicht zu tun. Besonders
schmerzlich ist es, daß Julio Romero de Torres
allzu früh an einem toten Punkt angelangt ist,
daß seine leicht stilisierte Kunst, die vor 15 Jahren
für Spanien fast eine künstlerische Revolution
bedeutete, allzu rasch in Manier erstarrt
ist. Mehr denn je erkennt man heute, daß in
dieser Kunst zuviel Literatur steckt, daß diese
Art von allegorischer Malerei zu dünn ist. Die
Landschaftsmalerei wird von den katalanischen
Künstlern weit mehr gepflegt als von den anderen
spanischen. Nicht zuletzt von dem in
allen Sätteln gerechten Rusifiol und von J. Mir,
zu deren Kreis noch Nicolas Raurich und B. Gili
Roig gehören. Unter den katalanischen Porträtisten
von verwandter künstlerischer Gesinnung
sind Ricardo Canals und Ramon Casas zu nennen.
Für die Neubelebung der religiösen Malerei
schien vor einigen Jahren der Baske Elias
Salaverria eine große Hoffnung. Aber bei aller
unleugbaren Begabung ist ihm verhältnismäßig
nicht mehr gelungen, als seinen deutschen Kollegen
von der Art Baumhauers.
Sind alle die bisher genannten Künstler mehr
oder weniger auch in Deutschland zum mindesten
dem Namen nach bekannt, so dürfte der
Maler Jose Gutierrez Solana gänzlich unbekannt
sein. Und doch verdient er nicht weniger Aufmerksamkeit
als die meisten oben aufgeführten
spanischen Maler. Dieser Künstler, der heute
in den Vierzigern steht, hat sich nicht nur als
Maler betätigt. Seine schriftstellerische Tätigkeit
ist sicher ebenso bedeutend, und diese beiden
Arten der Betätigung ergänzen einander
in seltener Weise. Es sei daher erlaubt, etwas
ausführlicher auf die Art dieses seltsamen Spaniers
einzugehen.
Gutierrez Solana stammt aus dem Norden,
aus der Gegend von Santander, und ist somit
in gewissem Grade den Zubiaurres verwandt.
Die Verwandtschaft erstreckt sich auch zum
Teil auf die Wahl der Motive, die dem Leben
an der kantabrischen Küste entnommen sind.
Aber schon hier zeigt sich die viel herbere und
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