Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 309
(PDF, 78 MB)
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nur Italien macht mit der groß angelegten Materialsammlung
Venturis eine Ausnahme. Weder
in Frankreich noch in England wird ein solcher
Versuch unternommen. Dabei kann man aber
weder dort noch in Deutschland über mangelnde
Produktivität der Kunstwissenschaft klagen. Ist
in dem immer noch an dem schönen Wahn des
Internationalismus hängenden Deutschland die geringe
, fast mißachtende Aufnahme des Dehioschen
I. Bandes zu erklären, da doch sonst jedem künstlerisch
sein sollenden Abreißkalender die begeistertsten
Lobreden gehalten werden? Aber an
diesem Werke Dehios kann man nicht gleichgültig
vorübergehen; von irgendeiner Seite, von der
wissenschaftlichen Leistung, von dem tiefen vaterländischen
Gefühl des Buches oder von dem stilistischen
Feingefühl der Darstellung muß man
gepackt werden. Von dem wissenschaftlichen
Werte braucht es nicht viel Herumredens; wie
keiner in Deutschland beherrscht Dehio den Stoff,
weiß er ihm neue Ansichten abzugewinnen, neue
Gesichtspunkte in die Debatte zu werfen, das gesamte
ungeheure Material in Zusammenhang mit
der übrigen Kultur des deutschen Volkes zu bringen
. Über das tiefe Gefühl zu seinem Vaterlande,

das sich so sehr von allem Hurrapatriotismus
fern zu halten weiß, und über die glänzende stilistische
Leistung, die nur durch völlige Vertrautheit
mit dem Stoffe zustande kommen kann, wurde
schon gelegentlich der Besprechung des I. Bandes
hier hingewiesen; der II. Band, der die Zeit von
T250 bis zum Ende des 15. Jahrhunderts umfaßt
und dessen Abbildungsband mit fast 700 Illustrationen
gefüllt ist, steht ihm hierin nicht nach. Ja
vielleicht ist dieser Teil mit seiner Bewertung der
künstlerischen Leistungen der deutschen Hoch-
und Spätgotik noch glänzender als der erste. Hier
werden nun auch Probleme, an denen jede allgemeiner
gehaltene Kunstgeschichte bisher vorüberging
, die aber die Gegenwart besonders interessieren
, die Stadtbaukunst, die Anlage der Stadt
u. a. m. in den Kreis der Darstellung einbezogen.
Da auch die Graphik und das Kunstgewerbe mit
hereingenommen sind, liegt auch hier zum ersten
Male eine einheitlich gesehene Schilderung aller
künstlerischen Äußerungsmittel vor: und das macht
vielleicht den größten Wert des Buches aus, diese
unter einheitlichen Gesichtspunkten gegebene Entwicklungslinie
.

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