Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 330
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CARL GUSTAV CARUS

EIN WANDERER IN NÄCHTLICHER FELSENLANDSCHAFT

längst, ehe sie auf der Berliner Jahrhundertausstellung
1906 „entdeckt" wurden. Nun hat
er der Dresdner Galerie von seinen Schätzen
eine Sammlung von 46 Gemälden als Leihgabe
zur Verfügung gestellt, die einen eigenen Raum
im zweiten Obergeschoß füllen, wo sie Direktor
Posse geschmackvoll aufgehängt hat. Mit Recht
sagt er in dem Vorwort zu dem kleinen Sonderkatalog
der Ausstellung, daß diese Auswahl von
Gemälden und Studien aus der Lahmannschen
Sammlung einen wertvollen Beitrag zur Kenntnis
der älteren Malerei Dresdens im 19. Jahrhundert
bilden. „Die geschichtliche Bedeutung dieser
Dresdener Kunst der zwanziger und dreißiger
Jahre reicht nach der Erkenntnis von heute
weit über die Grenzen der Stadt und des sächsischen
Landes hinaus. Nirgends kraftvoller als
hier und in Hamburg ist unter den Wehen
einer schweren Zeit ein neues lebendiges Naturgefühl
erwacht, das gegen Herkommen und
akademische Formel sich aufbäumt und dessen
Geschichte das ganze 19. Jahrhundert erfüllt.
Den führenden Geistern der jungen romantischen
Bewegung ist Dresden jahrzehntelang Treffpunkt
gewesen, für die Entwicklung ist es ein überaus

fruchtbarer Boden geworden, und Runges Sehnsucht
nach einer neuen Landschaftskunst hat
in Dresden ihre wahrste Erfüllung gefunden, in
dem Schaffen Caspar David Friedrichs und
seines Kreises."

Carl Gustav Carus, der Leibarzt des Königs
Friedrich August II. von Sachsen, der Theoretiker
dieses Künstlerkreises und zugleich selbst
Maler, ist in der Leihsammlung mit elf Bildern
vertreten. In der Jahrhundert-Ausstellung hatte
man ihn übersehen. In den Kunstgeschichten
nennt man ihn als einen nicht ungeschickten
Dilettanten. Jetzt lernt man ihn besser kennen
und schätzen. Erdlebenbilder nannte er selbst
seine Schöpfungen, durchweg Landschaften, die
wohl zum Teil den Gemälden Friedrichs und
des Norwegers Johann Christian Claussen Dahl
nahestehen, doch aber zum andern Teil soviel
Eigenart und Kraft zeigen, daß man diese nicht
leicht mit den Gemälden seiner beiden Freunde
verwechseln wird. Ein feines Naturempfinden
erfüllt sie, eine Innerlichkeit, die aus tiefstem
Versenken in die feinen Reize schlichter Motive
geboren ist und ganz anderer Natur ist, als was
man in den meist bewunderten Landschaften

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