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THOMAS FEARNLEY
MEERBUCHT VON SORRENT
fixierenden Zweige der Düsseldorfer Schule weit
zurückgedrängt ist. Da meine Kunstbestrebungen
selbst noch mehr in dieser früheren Zeit
wurzelten und immer mit denen Friedrichs so
nahe verwandt waren, so macht mir dies oft
einen eigenen wehmütigen Eindruck." Und als
im Frühjahr 1842 in Dresden eine größere Ausstellung
zum Andenken für Tiedge stattfand,
schrieb Carus: „Eine Menge alter, fast vergessener
Bildergespenster von Matthäi, Klengel,
Hartmann standen da wieder auf und sahen
einander gelangweilt an; selbst einiges von
Friedrich nahm sich schon etwas wunderlich
aus, gleichwie einige frühere von mir selbst.
Sieht man doch bei solchen Gelegenheiten sogleich
, wie schnell das meiste veraltet und wie
bald nun das fremdartig werden kann, was
eben in seiner Zeit doch so manchen Beifall
fand. Aber wie weniges ist dagegen, was sich
wirklich zum Zeitlosen zu erheben vermag."
Seit jener Zeit hat sich das Rad der Kunstbetrachtung
weitergedreht, und wir sind nun
wieder auf dem Standpunkt angekommen, daß
wir wie einst die Zeitgenossen Friedrichs die
Werte sehen, die jene in den Bildern von
Carus, Friedrich, Dahl, Kersting usw. sahen.
Matthäi, Klengel, Hartmann und andere damalige
akademische Größen sind allerdings nicht
wieder lebendig geworden, und so scheint es,
als ob die feinen Bilder der Lahmannschen
Sammlung, die jetzt der Dresdner Galerie eine
neue Anziehungskraft gebracht haben, nach dem
Ausspruch von Carus zu dem wenigen gehören
, was sich wirklich zum Zeitlosen zu erheben
vermag. Man sieht aber aus dem ganzen
Vorgang, daß auch die Männer, die als
Kritiker und Historiker die Kunstgeschichte
machen, sich von Zeitströmungen nicht unabhängig
zu halten vermögen. Paul Schumann
In der Kunst gibt es keine Nächstenliebe. Schaffe
für dich, dann schaffst du für andere.
Zahllose Mißverständnisse auf dem Boden populärer
Geschmacksurteile liegen darin, daß die Phraseologie
unserer Alltags-Ästhetik die Begriffe, die zwischen
Schön und Häßlich liegen, nicht herausgebildet hat.
Die meisten Menschen meinen, daß man alles, was
man nicht häßlich findet, schön finden muß.
Fritz Schumacher
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