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DER MALER ADOLF HILDENBRAND
Der Arbeitsbereich des badischen Malers
Adolf Hildenbrand ist vielgestaltig und
umfangreich. In der verhältnismäßig kurzen,
durch den Kriegsdienst unterbrochenen Schaffenszeit
entstanden zahlreiche Bildnisse, Landschaften
, Stilleben und Blumenstücke in Öl,
viele Aquarelle, Schnitte und Stiche.
Der Künstler stammt aus Löffingen im
Schwarzwald, verbrachte aber die Jugend in
Waldshut am Oberrhein, wo er sich beheimatet
fühlt. Seine Neigung zur praktischen kunstgewerblichen
Betätigung, damals schon im Keim
vorhanden, ist heute noch wach und besonders
die Vorliebe für transluzides Schmelzwerk, dem
er neue Wege wies, ist, wenn auch nicht bestimmend
, so doch für die Leuchtkraft seiner
Farben befruchtend wirksam geworden. Die
Halle II der Münchner Gewerbeschau birgt
mehrere dieser Arbeiten. Der Zusammenhang
seiner Frühwerke mit Lugo, Thoma und den
Schweizern ist unverkennbar; ebenso unverkennbar
aber ist, wie sehr das Ererbte erworben und
besessen wird. Schon diese Stufe der Entwicklung,
für die die „Morgensonne" mit ihrem strahlenden
Lichtmeer über weiten, hügeligen Feldern
(Karlsruher Galerie) charakteristisch ist, kündet
manches seiner heutigen Auffassung: Tiefe des
Natureindrucks und deren spontane Umsetzung
in die malerische Anschauung. Die seltene
Reife der Zeichnung beweisen sein „Elternbildnis
", „Frau und Kind" und zahlreiche Studien.
Mehreren Arbeiten eignet romantisch gestimmter
Inhalt, z. B. „Ruhende Nixe", „Herbstreiter
" und der „Schwebende und schreitende
Frühling". Allein sie stehen durch den Persönlichkeitswert
der Kunstleistung jenseits des
„Literarischen". Nicht ihr stofflicher Vorwurf
ist in den Vordergrund gerückt, sondern das,
was an Stimmungen, Gefühlen, an Wollen
und Sehen der Mensch im Künstler durch
das Malerische zu sagen hat. „Zartheit der
Empfindung paart sich mit einer dramatischen,
inneren Bewegtheit", schrieb W. F. Storck 1913
anläßlich der Mannheimer Ausstellung über
diese Periode. Vielfach kann man das, was
dargestellt ist, schlicht und anschaulich nennen,
z. B. die stilistisch zu stiller Größe neigenden
realistisch-religiösen Stoffe, wie das Gemälde
,,Ave Maria", „Sitzende Frau mit Kind" u. a.
Haben sich in der reichen Ernte dieser Jahre
Überlieferung, Anregung und Neues Gleichgewicht
gehalten, so sehen wir Hildenbrand
etwa um 1912 mit ganz neuen Problemen ringen.
Renoir, Monet, Cezanne erscheinen in dem Ge-
Die Kunst für Alle XXXVII.
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