http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_45_1922/0404
ADOLF HILDENBRAND
BILDNIS KONRAD
Lieblingsmotiv. In gewählten, koloristisch eigenwertigen
Tönen verglimmen zackige Umrißlinien
der Alpenwelt, die aus nebelnden Tälern
steigt. Nicht minder stark berührt ihn die Erkenntnis
der plastisch farbigen Schwarzwaldlandschaft
oder das Ereignis, wie sich die Last
des Winters langsam von den Höhen wälzt.
Die Differenzierung der Farbe, der Stimmungsgehalt
der Beleuchtung wird schaubar im „Bach
am Morgen, Mittag und Abend". Dergestalt
gelangt der Künstler zu eigenartigem, malerischem
Ausdruck und thematischer Beruhigung.
Nimmer bedarf er romantischer Phantasie, um
auszudeuten, was ihn künstlerisch erfüllt.
Das Bildnis ist dem Künstler nicht Ausdruckskunst
im Sinne einer seelischen Entblößung,
sondern Gegenstand zeichnerischer und malerischer
Verinnerlichung. Kraftvolle Bildnisse
erzählen die Geschichte eines Lebens, mehr
noch einer Familie. Meist werden Schwarzwaldtypen
gewählt, wozu schließlich auch das
neue treffliche Selbstbildnis mit dem Hakenstock
zu zählen ist. Kontur und Zeichnung
gehen im farbigen Vortrag auf.
Erschütterndes Erleben aus der Kriegszeit
prägt sich wesentlich in seinen Radierungen
aus, verdichtet sich aber auch zu einem großen
Gemälde, einem Triptychon: „Das Opfer".
Die einfache Handlung: im kriegzerstampften
Waldgelände von Verdun liegt neben dem verglimmenden
Lagerfeuer der kampferlöste Held.
Opfer ? — Gewiß, als Hingabe des Lebens,
aber noch mehr Erlösung, Friede. Im Schaffen
wuchs der Maler über seine Absicht und Aufgabe
und weist den Weg: Überwindung. Motive
, die schon längst in den Kreis der künstlerischen
Lösung fallen, bauen sich zu einer
Einheit zusammen: die zerrissenen Baumstümpfe
, der Waldbach, Nachtfärbung. Er stellt
sich damit innerlich getrieben in bewußten
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