http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_45_1922/0428
LUDWIG HABICH
WEIBLICHE PORTRÄTBÜSTE
Habich wurden bald weit über München hinaus
bekannt und genannt. Es war ein unvergleichlich
erfrischender Anblick, diese Kräfte im Wettstreit
und Wettbewerb miteinander ringen zu sehen,
eine Zeit voll blühenden Werdens und lebensvoller
Jugend.
Ludwig Habich, ein junger Hesse, der
eben damals auf der Münchner Akademie bei
Rümann heranwuchs, erlebte auch hier seine
künstlerische Jugend. Bald betätigte er einen
frohen, bildnerischen Drang nach Äußerung
plastischen Lebensgefühls und Empfindens, eine
frische, rege Phantasie und angeborenes Stilgefühl
in originellen Kleinplastiken. In lebhafter
Erinnerung erstehen vor mir die lebendig
empfundene, scharfumrissene Silhouette eines
althessischen Offiziers, die dekorative Schmuckschale
einer Nixe, das im Auftrag des Großherzogs
von Hessen geschaffene Tintenzeug
und der Feuerbläser für ein Rauchzeug.
Als dann der kunstbegeisterte junge hessische
Großherzog, von der Strömung der Zeit nach
neuem bildnerischen Leben ergriffen, die Darmstädter
Künstlerkolonie gründete, berief er als
einen der ersten Ludwig Habich. Habich erwarteten
dort bereits monumentale Aufgaben. Mit
der Ausführung der bekannten zwei 6 m hohen
Portalfiguren am Ernst Ludwighaus vollzog
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