http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_45_1922/0433
LUDWIG HABICH
STEIGENDES PFERD
Adoranten, Läufer und Athleten. Habichs Jünglinge
sind nicht mehr Kinder eines heroischen
Zeitalters, sondern eines sentimentalischen. Den
Epheben mit dem Efeukranz im Haar umwittert
Wertherstimmung. Durch den jugendlichen
Körper zieht ein leises Beben, Erschauern
und Erkennen, daß die Jugend schwindet und
die Schönheit stirbt und vergeht.
Dieselbe elegische Stimmung weht einem
auch aus dem Tempelchen mit den weiblichen
Karyatiden entgegen, eine von neuhellenistischem
Geiste getragene Schöpfung.
Aber Habich bleibt dabei nicht stehen. Er
ist kein Künstler, der sich ein Schema zurechtlegt
und es nun immer variiert. Seine neuern
Arbeiten zeigen, wie auch er tiefer in das Problem
moderner Ausdrucksplastik eindringt, wie
er zu stärkerer mimischer Bewegtheit der plastischen
Geste hinstrebt — gotisch barockes
Grundgefühl klingt mit schöner, antikischer
Formgestaltung in Eins zusammen. Und gerade
darin erscheint seine Kunst echt deutsch.
A. Heilmeyer
Die Kunst für Alle XXXVII.
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