Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 45. Band.1922
Seite: 391
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KARL CASPAR

MARIAE GANG ÜBER DAS GEBIRGE

Ausstellung der Münchner Neuen Secession

DEUTSCHE KUNST
DARMSTADT 1922

Die Deutsche Kunst Darmstadt ist veranstaltet
von der Hessischen Arbeitsgemeinschaft für
bildende Kunst und den angeschlossenen Verbänden
. Außerdem aber wurden auswärtige Künstler
großen Namens juryfrei eingeladen. So bietet die
Ausstellung auf Mathildenhöh einen Überblick
über das heutige Kunstschaffen Deutschlands.

Angesichts des knappen zur Verfügung stehenden
Raumes wird es sinnlos, die einzelnen Gemälde
zu nennen und zu besprechen. Das müßte eine
Statistik ergeben, die dem Katalog Konkurrenz
machen würde und besonders darum unwesentlich
erscheint, weil wirklich die Künstler bekannten
Namens (Nolde, Eberz, Campendonk, Seewald,
Waske, Purrmann, Hofer, um nur einige zu nennen
), nicht mit Gemälden vertreten sind, die sie
von bester Seite zeigen. Man wird sich in Sonderausstellungen
über sie besser orientieren können.
Von den „Prominenten" ist eigentlich nur Jäckels
breites, fest und sicher gemaltes Frauenbildnis
„Tine" als vollgültiges Werk zu betrachten.

Im übrigen bereitet auch diese Veranstaltung
die Enttäuschung, die heutige Ausstellungen
leider immer wieder bieten. Gespannt und
nur zu gerne gewillt, von wirklich Großem sich
anpacken zu lassen, durchwandert man die Säle;

die Spannung wird immer weiter hinausgezögert
und wird gar nicht oder nicht in dem erhofften
Maße ausgelöst.

Auf der einen Seite stehen jene, denen ihre
Zeit und Umwelt letzten Endes etwas Gleichgültiges
ist. Aus gewisser künstlerischer und handwerklicher
Tradition heraus schaffen sie ihre
Werke, die dem vor sie hintretenden Menschen
seiner Zeit, angenehme Freude, Augenblicke beruhigten
Anspannens gewähren können, wenn sie
von hoher Qualität sind; fehlt diese, so wird man
interesselos und abschätzend vorübergehen. Anders
steht es um die Künstler, die bewußt aus
ihrer Zeit heraus schaffen. Ihre Werke werden
das Interesse fesseln, auch wenn eine Vollendung
noch nicht erreicht ist, ganz einfach, weil der Betrachtende
fühlt, daß hier auf der gleichen Basis
gearbeitet wird, in der auch er wurzelt, aus der
auch er die Kräfte zu eignem Aufbau zieht. Selbstverständlich
, nach der Zeit eines tumultuarischen
Mitgerissenseins scheidet der nicht beruhigte aber
geschärfte und geklärte Blick jene, die nur ,,mit"-
schaffen und auch „anders" schaffen könnten von
den wahrhaftigen Künstlern, denen ihre Formsuche
Notwendigkeit ist. Jedes Experiment wird
noch willkommen sein, wenn es nur Eigenart und
Eigenkraft fühlen läßt. Um so härter wird man
aber den Experimentlern um der Mode oder der
Sensation willen entgegentreten müssen.

Und da der mir eingeräumte Platz sehr be-

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