Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 46. Band.1922
Seite: 48
(PDF, 60 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_46_1922/0068
EHEMALIGES PREYSINGSCHES PALAIS, MÜNCHEN: DETAIL VON DER OSTSEITE, RESIDENZSTRASZE

ginn des 17. Jahrhunderts steht in dem baulichen
Organismus des damals noch vorwiegend
gotischen München nicht als ein Fremdkörper:
das dem übrigen Stadtbild Fremde neuer Gliederungsachsen
strenger Ordnung erlischt unter
dem Vielgestaltigen der Gesamtgruppe, die
wieder, wie der Fürstsche Prospekt von 1667
zeigt, im Ganzen des Städtebildes sich auflöst.

Ein noch stärkerer Beweis für die oben gemachte
Behauptung ergibt sich durch einen
Vergleich des Marienplatzes aus dem 17. und
18. Jahrhundert. Der Kontrast zwischen mittelalterlich
und neuzeitlich gegliederter Fassade
wird hier unmittelbar lebendig.

Damit setzt das umgestaltende Element des
Palais ein. Was die Renaissance noch nicht
vermocht hatte: die Organisierung der Platz-
und Straßenwand nach einem Rhythmus neuer
einheitlicher Ordnung, das wird nun allmählich
Wirklichkeit. Das moderne München mit seinen
gleichmäßig gegliederten Straßen, seinen ausgeglichenen
Stockwerkhöhen, seinen egalisierten
Dachlinien entsteht.

Ob städtebaulich mit dieser Uniformierung
des Straßenbildes ein künstlerischer Gewinn erzielt
wurde, wird damit nicht entschieden. Wenn
uns heute die kahle und seelenlose Eintönigkeit
der Mietkasernenstraße mit Recht abschreckt, so
darf man darüber doch nicht vergessen, daß diese
nur ein notwendiges Endglied bedeutet in dem
Prozeß der Rhythmisierung baulicher Gesamtkörper
, wie sie das Prinzip der symmetrischen
Achsenfront seit der Renaissance erschafft.

Just von hier aus kann es ganz lehrreich sein,
eine Palaststraße des 18. Jahrhunderts — etwa die
ehemalige Promenadestraße auf dem Stridbeck-
schen Stich - mit einer typischen Mietkasernenstraße
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts,
vielleicht aus dem Gärtnerviertel, in Vergleich zu
stellen. Für einen flüchtigen Anblick scheinen die
Organisationsprinzipien die gleichen: Wahrung
geradliniger Achsen, gleicher Stockwerk- und
Dachlinien. Wenn trotzdem mit einem solchen
Vergleich die unmittelbare Kraft der alten Disposition
zuungunsten der neuen bewußt wird, so
kann das Versagen in der jüngeren Lösung keineswegs
im Prinzip begründet sein. Mitanderen Worten
: nicht die uniformierte Straßenwand ist das
baukünstlerisch zu Meidende, die Schwierigkeit
der Lösung liegt in der Art der Uniformierung.

48


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_46_1922/0068