Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 46. Band.1922
Seite: 52
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hans volkert

radierung e. f. hubner

radierung

NEUERE KÜNSTLERISCHE BESUCHSKARTEN

Daß die künstlerisch geschmückte Besuchsoder
Visitenkarte in früheren Zeiten, vor
allem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
, ein tatsächlicher, vielbenutzter Gebrauchsgegenstand
gewesen ist, kann jederzeit durch
beliebig viele Zeugen bewiesen werden. Sie ist
wohl um 1700 herum, also noch in der Regierungszeit
Ludwig XIV., im galanten, besuchsfrohen
Frankreich „erfunden" worden und sofort
in Mode gekommen. (W. von Zur Westen,
ein sehr erfolgreicher Sammler vor allem älterer
Gebrauchsgraphik und unermüdlicher Forscher
und Publizist auf diesem Gebiet, hat uns wiederholt
schon viel Interessantes über diese Materie
berichtet.) Vor allem ist damals die Blanko-
oder Rahmenkarte, die man in unerschöpflichen
Varianten überall kaufen konnte, sehr beliebt
gewesen. Viel seltener war der Fall, daß jemand
ausschließlich für seinen eigenen Gebrauch eine
Karte stechen ließ. Aber die Karten mit Vordruck
, in die man
seinen Namen einschrieb
oder auch
eindrucken ließ,
sind überaus zahlreich
, und sie wurden
, was für uns
besonders wichtig
ist, auch allgemein
zu dem Zwecke
verwendet, für
den sie bestimmt
waren.

Im ig. Jahrhundert
ist dann die
Sitte der künstlerischen
Besuchs- hans volkert

karte immer mehr in Vergessenheit geraten.
Erst in den letzten Jahrzehnten, die ja auch
das moderne Exlibris entstehen, wachsen und
gedeihen sahen, ist sie wieder erweckt worden
, und heute gibt es bereits eine stattliche
Zahl von künstlerischen Besuchskarten, die in
sehr vielen Fällen den Vergleich mit den
schönsten alten wohl aushalten können. Aber
werden diese Karten auch wirklich bei Besuchen
abgegeben oder zu sonstigen Diensten
verwendet, die eine solche Karte früher zu leisten
hatte? Nun,einzelne wohl gewiß, vielleicht sogar
die Mehrzahl. Aber wie es zahlreiche Exlibris
gibt, die ausschließlich Sammel- und Tauschzwecken
dienen, also nur um ihrer selbst willen
da sind, so dürfte es auch viele künstlerische
Besuchskarten geben, die ihrem eigentlichen
Zweck nie zugeführt werden. Im übrigen
scheint es, daß die künstlerische Besuchskarte,
obwohl sie nun schon wieder ein paar Jahrzehnte
existiert,
doch bis zum heutigen
Tage nicht
so recht in Mode
gekommen ist. Es
gibt nämlich eine
Menge Fälle, in
denen ein Besucher
, der nicht
gerne Anstoß erregen
möchte,
nicht wagen wird,
eine künstlerische
Karte abzugeben
oder sonst zu
verwenden. Es
Radierung „schickf'sich eben

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