http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_46_1922/0073
GEORG BROEL
RADIERUNG
C. STRASSER
RADIERUNG
in gewissen Kreisen
nicht, Besuchskarten
mit ornamentalem
oder gar figürlichem
Schmuck zu
führen. Die Sitte
schreibt die einfache
Schriftkarte
vor. Und ganz bestimmt
ist nur dieser
mehr geheime
als offene Widerstand
der Konvention
daran schuld,
daß die moderne
künstlerische Besuchskarte
, wie man
so sagt, nicht leben
und nicht sterben
kann. Wäre sie
in der vornehmen
Welt von heute erlaubt
, wir erlebten
in kürzester Frist
eine ähnliche Blüte
der künstlerischen
Besuchskarte, wie
sie das 18. Jahrhundert
gesehen hat.
Das ist klar. Aber
die Konjunktur ist
nun einmal, vorläufig
wenigstens,
nicht günstig für
sie. Und so bleibt
sie auf einen verhältnismäßig
sehr
kleinen Kreis kultivierter
Menschen
beschränkt, die sich
außerhalb jeder
Konvention fühlen
und tun und lassen,
was ihnen gutdünkt.
LUDWIG ENDERS
FEDERZEICHNUNG
GEORG BROEL
RADIERUNG
BRUNO H6ROUX
RADIERUNG
Trotzdem man
also, im Gegensatz
zum Exlibris, von
einer Blütezeit der
modernen Besuchskarte
nicht sprechen
kann, ist die
Zahl der künstlerisch
bedeutsamen
oder wenigstens beachtenswerten
„illustrierten
" modernen
Besuchskarten,
wie gesagt, durchaus
nicht gering.
(Daß in diesem Zusammenhang
nur
von der modernen
deutschen Besuchskarte
gesprochen
werden soll,
wird man vielleicht
verständlich finden
.) Und es liegt
in der Natur der
Sache, daß hier ungefähr
die gleichen
Künstler in Frage
kommen, die uns
auch beim modernen
Exlibris wie bei
jeder andern Art
von Gebrauchs- und
Gelegenheits-Klein-
graphik begegnen.
Diese Tatsache aber
hat wieder zur Folge
, daß die weitaus
meisten Besuchskarten
von heute
in der graphischen
Lieblings- und Modetechnik
unserer
Zeit ausgeführt, also
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