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RESIDENZMUSEUM, MÜNCHEN
Phot.
STÜHLE IN DEN TRIERZIMMERN (um 1700)
Riehn & Reusch, München
kennbar die Meisterhand des berühmten Neuwieder
Möbelschreiners David Röntgen (um
1780) zeigen. Blumenkörbchen an Girlanden
und figürliche Szenen, Chinoiserien, sind mit
solcher Feinheit aus bunt gebeizten Hölzern
zusammengesetzt, daß sie wie impressionistische
Skizzen wirken. Bei der Ausführung der figürlichen
Szenen war vermutlich der Koblenzer
Maler Januarius Zick beteiligt, der viele Entwürfe
für Röntgen gemacht hat. Von den
französischen Möbeln in den Schreibzimmern
wird hernach die Rede sein.
In den Steinzimmern setzt sich die Flucht
der Maximilianischen Räume fort. Nach den
Inschriften wurden sie 1612-17 gebaut. Während
die zeitlich unmittelbar vorhergehenden Trierzimmer
wie Festräume eines Schlosses wirken,
die sich wenig vom deutschen Normaltypus
entfernen, erscheinen die Steinzimmer als die
eigentlichen fürstlichen Prunkräume. Dem Stil
der modernen, italienisierenden Spätrenaissance
sind noch mehr barocke Elemente beigemischt,
die allerdings durch die späteren Veränderungen
noch verstärkt sind. Bei dem Residenzbrande
von 1674 hatten auch die Holzdecken der Steinzimmer
gelitten und die Malereien mußten (1693)
wieder restauriert werden. Nur die Stuckdecke
im mittleren Zimmer war intakt geblieben. Das
Restaurieren bedeutete ein vollständiges Neumalen
allerdings auf Grund der alten allegorischen
Darstellungen. Die Hand einzelner Maler des
späten 17. Jahrhunderts, eines Wolf, Gumpp
ist auch deutlich genug erkennbar. Die Felderteilung
der Decken ist in den Steinzimmern
viel schwerer, größer; durch die ornamentale
Bemalung der Stege ist der Holzcharakter vollständig
verwischt; die Angleichung an den
Geschmack des späten 17. Jahrhunderts ist dadurch
noch vollständiger geworden. Friese und
Sockel wie in den Trierzimmern sind auch hier
vorhanden, wieder stoßen die Leibungen der
Fensternischen in die Frieszone vor und noch
mehr drängen sich die schweren Stuckumrahmungen
der Kaminnischen nach oben, sie
bringen den Eindruck einer Bewegung hervor,
betonen gegenüber den lastenden Horizontalen
die Vertikaltendenz. Durch die großen Kaminnischen
wird der Hauptakzent in die Mitte der
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