Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 46. Band.1922
Seite: 96
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STAATLICHE PORZELLAN-MANUFAKTUR NYMPHENBURG

GRÄTENSCHALE

Josef Wackerle war es, der nicht nur die
gesamte plastische Gestaltung der eigens für
diesen Zweck geschaffenen figürlichen Werke
übernahm, sondern der sich auch mit der Leitung
der Manufaktur in die künstlerische Lösung
und Ausgestaltung des Services teilte.
Das bekannte Nymphenburger Rokoko-Service,
eine im Grunde einfache, nur durch leichte
Schwingungen belebte und durch Rippen gegliederte
Form, bildet den einigenden Rahmen
für das Ganze. Auch für die Bemalung war
es ein Motiv, das im ganzen Service stets wiederkehrt
und so einen Zusammenhang zwischen
den einzelnen Teilen herstellt. Es ist dies ein
altes lebhaftes Nymphenburger Blumenmuster
in kräftigen Farben, belebt von prächtigen
Schmetterlingen und anderen Insekten, umsäumt
von einer reichen und äußerst zarten Goldspitzenkante
. Die Ausarbeitung der Blumensträuße
ist im einzelnen aufs feinste durchgeführt
, ohne aber die große Linie und die dekorative
Wirkung vermissen zu lassen. Es setzt
eine nicht geringe künstlerische Erfindungsgabe
voraus, gegen 400 Stück Teller, runde, ovale
Platten, Kompott-, Gemüse- und Salatschüsseln,
Grätenschalen, Saucieren, Aufsätze, Salzfäß-
chen und Mokkatäßchen, mit immer neuen
Varianten, ohne zu langweilen, auszuschmücken.

Diesem Wunsch nach Mannigfaltigkeit entsprach
es auch, wenn man drei Gänge des
Services mit einer gänzlich anderen Malerei

versah. Und zwar wählte man hiezu ein altes
Vogelmuster. Auf einem etwas stilisierten Baumschlag
tummeln sich märchenhafte Paradiesvögel
in leuchtenden Farben. Das Ganze gemahnt
etwas an chinesische Einflüsse der K'anghi
Periode, die uns das Rokoko so trefflich ins
Europäische zu übersetzen verstand. Kräftig
gehoben werden diese auf jedem Stück wechselnden
Vogelbilder durch ein reiches Gittermuster
in Kupfergrün, Gold und Violett auf der Fahne
des Tellers, unterbrochen von kleinen Medaillons
mit Blumen und Goldspitzenbordüre, die
die Verbindung zum Blumenteil des Services
herstellen. Natürlich bilden hier die größeren
Stücke, wie runde und ovale Platten, Objekte
von rein bildmäßiger Wirkung.

Den Zusammenhang und die Beziehungen
zwischen den Spendern und dem braunschwei-
gischen Herzogshause zu versinnbildlichen, dient
ein Gang Teller, der fünfzig verschiedene
historisch-malerische Stätten aus dem alten
Königreich Hannover, die in besonderer Beziehung
zum Herzogshause stehen, zur Darstellung
bringt. Romantische Schlösser wech=
sein mit malerischen Städtebildern, liebliche
Landschaften mit ernsten Klöstern, pittoreske
Gebirgsbilder aus dem Harz mit stillen Stimmungslandschaften
von der See. All diese
mannigfachen Bilder sind nach einer Skizze
Wackeries in Art der alten Vedutenmalerei
durchgeführt. Mit vollem Bedacht ist man hier

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