Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 46. Band.1922
Seite: 97
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JOSEF WACKERLE TELLER MIT WELFENROSZ

STAATLICHE PORZELLAN-MANUFAKTUR NYMPHENBURG

in diesem einzigen Fall von der Grundform des
Services abgewichen und hat einen Teller gewählt
, der ruhig zum Rand zu verläuft und dessen
reliefierte Korbkante mit den zarten Blümchen
und der Goldlinie den Landschaften den
erwünschten bildmäßigen Abschluß gibt. Gleichfalls
auf einen Entwurf Wackeries geht die
Tellerserie mit dem flott gezeichneten Weifenroß
zurück. In diese fast wappenartige Darstellung
gelang es dadurch Leben und beziehungsreiche
Mannigfaltigkeit zu bringen, daß
man die zarten Landschaften stets mit Hannoveraner
Motiven wechseln ließ. Bei den
Mokkatäßchen hat man fast ganz auf die Farbwirkung
verzichtet und in pikantem Gegensatz
zu den leuchtenden dekorativen Noten der übrigen
Serviceteile, diese, fast möchte man sagen,
spielerischen Geräte nur durch eine minutiös
gemalte Goldverzierung zu charakterisieren
versucht.

Als Mittelstück zum Ganzen hatte J. Wackerle
einen dekorativen Tafelaufsatz zu schaffen. Es
sollte das althistorische Weifenroß zur Darstellung
kommen und eine Hindeutung auf
die dynastischen Beziehungen und politischen
Veränderungen, die durch die Hochzeit des
Herzogspaares in Erscheinung traten, gegeben

werden. Betrachtet man alle anderen, insbesondere
die keramischen Schöpfungen Wackeries
, so bringt die Lösung der vorliegenden
scheinbar eine völlige Abkehr seines bisherigen
Stiles. Doch nur scheinbar. In Wirklichkeit
ist es die zielbewußte Entwicklung von
seinen ersten Arbeiten für die Nymphenburger
Manufaktur, den bekannten Figuren, wie der
„Dame mit Muff" und den „Pierrotgruppen" usw.
über die „Majolikagrotesken" im Münchner
Ausstellungspark zu dem in nur wenig Exemplaren
hergestellten und schon recht selten gewordenen
„altbayerischen Chevauxleger", die
in diesem Tafelaufsatz einen gewissen Abschluß
findet. Hier ist Wackerle, der von der Moderne
ausging, angelangt bei der Ausdrucksform der
Meister der Blütezeit des Porzellans. Nicht
äußerliche Gründe, etwa der Zusammenklang
mit den alten Formen des Services waren es,
die ihn gerade diese Art der Behandlung wählen
ließen, sondern die folgerichtige Entwicklung
seiner Kunst. Darum spürt man auch besonders
aus diesem Werk jene unmittelbare Frische
und jenen nachhaltigen, bleibenden Eindruck
der künstlerischen Vollendung, der uns unwillkürlich
an die besten Meister der Porzellankunst
gemahnt, an die Kändler, Bustelli und

Dekorative Kunst. XXV. 4. Januar 1922.

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