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mungen räumlicher
und seelischer
Art man mit
diesem höchst
einfachen Apparat
zu erzeugen
vermag. Monumentales
und Intimes
, Unheimliches
und Behagliches
, Melancholisches
und
Festliches steht
nebeneinander.
Bald ist der Eindruck
eines offenen
Platzes, bald
der einer Straße,
bald der eines
Saales,baldderei-
nesTempels,bald
der eines Zimmers
erreicht.
In keinem der
Fälle handelt es
sich um naturalistische
Gebilde,
sondern um eine
Art unwirklichen
Gleichnisses.
Diese Unwirk-
lichkeit aber, in
deren Rahmen
doch ein gewollter
Eindruck
deutlich wird,
scheint mir ein
wertvolles Gut
zu sein. Sie ist
die Unterlage
zur eigentlichen
Monumentalität
szenischer Bilder.
Ebenso wiedas
Gemälde bei wirklich
monumentalen
Leistungen
zu unwirklichen
Raumbeziehungen
kommt, muß
es das Bühnenbild
tun. Mit
Mitteln, die nicht
Wirklichkeit
vortäuschen wollen
, läßt sich
allein die Illusion
erhöhter
ARCH. F. SCHUMACHER-KÖLN n SZENENBILDER FÜR EINE
MONUMENTALBÜHNE
Wirklichkeit erreichen
.
Diemeistender
Entwürfe sind
gedacht als Szenenbilder
zu Julius
Cäsar und zu
Koriolan. Aber
man braucht
nichtnur an klassische
Eindrücke
zu denken bei
solcher vereinfachten
Monumentalbühne
,
manche unserer
modernsten
Schöpfungen, die
in einer Art symbolischer
Welt
spielen, könnte
ich mir in die-
semRahmen vorstellen
. Ihr eigentümliches
Leben
würden sie
durch die Farbe
erhalten, die sich
im steten Wechsel
der Töne
auf den neutralen
Flächen entfaltet
.
Für alldas sind
diese Skizzen nur
ein Anlauf. Der
Versuch, der in
ihnen angedeutet
ist, läßt sich
noch mannigfach
ausbauen.
Er möge zeigen,
daßmanmit Mitteln
von höchster
technischer
und formaler
Einfachheit auf
unseren Bühnen
viel erreichen
könnte, wo Mittel
von höchster
technischer
und formaler
Kompliziertheit
im allgemeinen
zu versagen pflegen
.
F. Schumacher
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