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KUNSTLITERATUR
Hielscher, Kurt. Das unbekannte Spanien.
Baukunst, Landschaft, Volksleben. (XXIV. S.,
304 Bildseiten in Tiefdruck.) Berlin, Ernst Was-
muth A.-G.
« j Ein deutscher Oberlehrer ist durch den Ausbruch
des Krieges auf einer Studienreise in Spanien
festgehalten worden. Voll zäher Willenskraft hat
er die Jahre bestens genutzt. Begabt mit einem
seltenen Blick für photographische Bildwirkung,
hat er auf unermüdlichen Fahrten und Wanderungen
(er berechnet sie auf 45 000 Kilometer) in
oft weit abgelegenen Teilen des vielgestaltigen
Reiches Landschaften und Bauten, Kunstwerke
und Volksleben in meisterlichen Aufnahmen festgehalten
. Die reiche Ausbeute hat bei Künstlern
und Kennern im Lande selber und in Deutschland
warmherzigen Beifall gefunden. Nun gibt
ein stattlicher Band auf dreihundert Bildseiten
in tieffarbigen Drucken eine Auswahl wieder, die
den Kunstfreund wie den Künstler lebhaftest ansprechen
wird. Eine Überraschung auch für alle
die, welche auf Reisen oder nach Bildern eine
Vorstellung der berühmten Orte und Denkmäler
gewonnen haben. Diesen weiß der feinfühlige
Beobachter der kontrastreichen Lichtwirkungen
des Südlandes neue, packende Reize abzugewinnen
. Aber sein eigenstes Gebiet, das „unbekannte
Spanien", ist, was abseits der Heerstraße liegt,
von Fremden selten besucht, oft selbst dem Spanier
unbekannt: die Kastelle, die sich über Felsen
türmen, die Brücken, die in waghalsigen
Bögen die Schluchten überspannen, die lichtdurchfluteten
Höfe, die schattigen Gassen, die seltsamen
Höhlenwohnungen und ähnliche, für den
Maler wie den Raumgestalter höchst anregende
Gebilde. „Ein einziges großes Freilichtmuseum"
nennt er in der Einleitung, einem kurzen, stimmunggebenden
Vorklang, dieses Spanien, das wir
Deutschen verehren und kennen sollten schon
um der Treue willen, die es uns in schweren
Jahren gehalten hat. Es ist ein seltener Glücksfall
, daß solche Kenntnis uns in so eigener anmutender
Form von einem Deutschen vermittelt
wird, der das schöne Land mit so hellen Augen
und treffsicherer Bildkraft gesehen hat wie wenige
vor ihm. Wir können dem tapferen Verfasser
und dem Verlage nur den wohlverdienten Erfolg
wünschen. p. j.
LUDWIG VIERTHALER-HANNOVER BRONZESCHALE
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