Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 46. Band.1922
Seite: 177
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DAS RESIDENZMUSEUM IN MÜNCHEN

III.

HOFGARTENZIMMER UND KÖNIGSBAU-)

Als Nachfolger Karl Theodors kam 1799
Max IV. Joseph von Zweibrücken-Birkenfeld
auf den bayrischen Thron. Nach dem
Ableben seines Bruders Karl III. August war er
regierender Herzog in Pfalz-Zweibrücken geworden
und dazu erbte er jetzt noch die ganzen
Wittelsbachischen Lande. Früher als Oberst in
Straßburg im französischen Militärdienst und
nun regierender Kurfürst von Bayern und Pfalz.
Für den Umzug des neuen Herrschers genügten
die bestehenden Räume der Münchner Residenz
nicht mehr. Sie waren veraltet, unmodern
und unpraktisch. Der in französischer Kultur
erwachsene Fürst war an Besseres gewöhnt.
Es mußten neue Wohnzimmer geschaffen
werden, die nicht mehr auf einen Innenhof
gingen, die Aussicht ins Freie boten — die Zeit
der Rokoko-Naturromantik hatte schon längst
begonnen — die auch im Stil modernen Bedürfnissen
entsprachen. Als Platz für diese neuen
Wohnzimmer war der Nordfliigel der Residenz
am Hofgarten gerade recht. Zunächst ließ sich
Max IV. von Verschaff elt, dem Sohne des Pfälzer
Bildhauers, dem damaligen Direktor des Münchner
Hofbauamtes, einen Vorschlag über ein
größeres Projekt machen, das den Umbau des
ganzen Flügels in den beiden Hauptgeschossen
und im Dachgeschoß zur Folge gehabt hätte
(24. März). Vergebens wandte der kunstverständige
Regierungsvizekanzler Stephan Freiherr
von Stengel gegen dieses Projekt ein, daß damit
die schönsten Säle der Residenz, der Kaisersaal
und der Vierschimmelsaal fallen müßten,
daß also an Wert viel mehr zerstört würde,
als dafür hergestellt werde, daß auch aus
praktischen Gründen der Umbau, der doch nur
ein Flickwerk bleibe, nicht zu empfehlen sei,
daß die Wohnräume im kalten Nordflügel, am
stinkenden Stadtgraben an sich schon unangenehm
, ja ungesund würden, und daß an der
Südseite, wo das Stiegenkloster im Schutt läge,
ein passenderer Neubau mit ungleich billigeren
Mitteln geschaffen werden könne. Keine Einwendung
half. In der Staatskonferenz vom
26. März 1799 bestimmte der Kurfürst, daß die
bisherigen Pläne auf sich beruhen sollten; er
werde für den Umbau seinen eigenen Architekten
von Mannheim kommen lassen. Damit
wurden die Prachtsäle Maximilians dem Unter-

*) Siehe auch unsere Aufsätze im Okt./Nov. - Heft 1920
und Januar-Heft 1922.

gang geweiht; die deutsche Kunst ist um Meisterwerke
höchsten Ranges ärmer geworden.

Dieser pfälzische Leibarchitekt war Charles
Pierre Puille, schon ein alter Herr, der auch
im künstlerischen Geschmack nicht mehr auf
der Höhe stand. Einige Daten dürfen hier
eingefügt werden, da über den Umbau und den
Baumeister bisher völlige Unklarheit herrschte.
Karl Peter Puille war 1731 in Paris geboren. Er
wird auch als marchand tapissier bezeichnet, ein
Titel, der wohl mit dem weiteren Begriff eines
Innenarchitekten übersetzt werden darf. Als
Max Joseph noch französischer Oberst war,
hatte er von Puille die Möbel bezogen und
diesem dann statt der verlangten 4000 Livres,
die er nicht bezahlen konnte, eine Hypothek
auf die Rentei Rappoltsweiler gegeben. Seit
1790 wird Puille als Bauinspektor genannt,
1794 war er als alter Knabe in den Ruhestand
gegangen. Bald nach der Vollendung der
Umbauten, am 1. April 1805 ist er auch im
Alter von 74 Jahren gestorben, nachdem er
dreißig Jahre im Dienst des Fürsten gestanden
hatte. Jetzt kam nachträglich noch der Lohn für
seine früheren Dienste. Am 26. April 1799 erfolgte
seine neue Bestallung. Es wurde ihm die
„Direktion des Baues der Wohnung der Durchlauchtigsten
Frau Kurfürstin und der höchsten
Herrschaften" übertragen; das Münchner Hofbauamt
wurde ihm dazu unterstellt. Mit dem
Umbau wurde sofort begonnen, da aber in den
Wirren derZeit die Geldquellen versiegten, mußte
sich der Kurfürst 1800 entschließen, den Bau
seiner eigenen Appartements aufzuschieben und
nur die seiner Gemahlin fertigstellen zu lassen.
1803 war alles vollendet. Unterstützt wurde der
ältere Puille von seinem Sohne Karl Ludwig
Puille (Rittershausen nennt ihn den jungen Bill),
der später Hofbaukondukteur in Nymphenburg
wurde und dort 1858 gestorben ist. Über die
beteiligten Meister ist wenig bekannt. In den
Akten werden nur subalterne Kräfte genannt,
der Hofhafnermeister Michael Ecker, der Hofkistlermeister
Heinrich Hammer, der Hofzimmermeister
Johann Baptist Erlacher. Daß die
geschnitzten Dekorationen und Ornamente der
Bildhauer Franz Schwanthaler fertigte, beiichttt
der alte Rittershausen in einer 1803 erschienenen
Beschreibung, und daß auch der Bildhauer Peter
Paul Schöpf mitgearbeitet hat, erzählt Nagler.
Vieles ist inzwischen verändert. Die Skulpturen

Dekorative Kunst. XXV. 8. Mai 1922

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