Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 46. Band.1922
Seite: 180
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HOFGARTENZIMMER

Phot. Riehn & Reusch, München

AUS DEM THRONSAAL

von Boos, Muxel und Lemoine, die Gemälde von
Simon Klotz und Seidel, die Seidentapeten sind
verschwunden. Die übrige Ausstattung war wohl
schon ursprünglich Import, wie noch heute.

Innerhalb der Renaissanceräume Maximilians
stehen die Hofgartenzimmer wie ein Fremdkörper
, der den Rhythmus barbarisch unterbricht
. Sie sind auch ein Fremdkörper in der
Münchner Kunst. Der sie gebaut hat, war ein
Franzose; die Stilstufe, die er vertritt, entspricht
etwa dem französischen Louis-seize der Zeit
um 1770. Unmittelbares Vorbild waren die Zimmer
von Ludwig XVI. und Marie Antoinette
in Versailles, die Rousseau entworfen hat. Um
1800 war in Paris schon der sogenannte
Directoirestil überwunden, der Empirestil hatte
bereits eingesetzt, der reine Klassizismus stand
schon in voller Blüte. Was in den Hofgartenzimmern
geschaffen wurde, ist für diese Jahre
veraltet, ein Nachklang des Rokoko, als solcher
allerdings eine Schöpfung von entzückender
Feinheit. Zwei Räume sind hervorzuheben, der
Thronsaal und das Spiegelkabinett. Es sind die

Räume, die intakt geblieben sind. Die ursprüngliche
Folge war Gardenzimmer, Antichambre
der Kavaliere, Gesellschaftssaal (heute Thronsaal
), Audienzzimmer (mit dem großen Thron,
die Wände mit goldenen Tapeten belegt),
Schlafzimmer mit Kabinetten. Der Thronsaal,
der jetzt repräsentativen Zwecken dienen muß,
trägt eine etwas strengere Note. Man muß sich,
um den Unterschied gegenüber dem Rokoko zu
erfassen, die Gliederung der Kurfürstenzimmer
oder der Reichen Zimmer ins Gedächtnis zurückrufen
. Der Unterschied läßt sich ganz äußerlich
mit den Worten: Rückkehr zur Tektonik festlegen
. Wand und Decke sind wieder getrennt;
die schmale Hohlkehle stellt eine Vermittlung her,
läßt aber nicht, wie im Rokoko, eine Verschmelzung
zu. Die Wand ist entsprechend in streng
geometrische, isolierte, flächige Felder aufgeteilt.
Der Rhythmus ergab sich ohne weiteres aus
der durchgehenden Türachse. Entsprechend auf
der Innenseite eine blinde Türe; diese Türenfelder
durch Supraporten und Türfüllungen
kleinteilig abgeteilt; in der Mitte beherrschend

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