http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_46_1922/0258
WALTER SCHMARJE
BÜSTE DES VATERS (BRONZE)
besonders interessant bei einer Stadt von der
Bedeutung einer Welthandelsmetropole wie Hamburg
. Schumacher, der ehemalige Leiter des Hamburger
Bauwesens und feinsinnige Architekt, der
in sich in seltener Verbindung die Eigenschaften
des Baukünstlers mit denen des Sozialpolitikers
eint, hat es unternommen, in seiner Schrift „Hamburgs
Wohnungspolitik" diesen Entwicklungsgang
der größten deutschen Hafenstadt zu schildern,
an dem er ja in den letzten zehn Jahren als Baudirektor
nicht geringen Anteil hatte. Schumacher
stellt zunächst die Geschichte der wohnungspolitischen
Vorgänge in Hamburg seit Beginn des
19. Jahrhunderts dar, in der drei Ereignisse merkbar
tiefe Einschnitte eingekerbt haben: der große
Brand von 1842, 50 Jahre später 1892 die Cholera
und fast ein weiteres Vierteljahrhundert darauf
der Weltkrieg. Ferner weckte in Hamburg das
technische Gewissen besonders zur Durchführung
von Maßnahmen gegen Feuersgefahr, die zweite
die hygienische Verantwortlichkeit, die letzte das
soziale Gefühl. Wie aus allen drei Ereignissen
heraus Hamburgs Bau- und Wohnungspolitik erst
um- (St. Pauli, Mönkebergstraße usw.), dann neugestaltend
, seit 1913 vor allem bei den Siedlungsvorhaben
in den „Walddörfern" wandelte, wie sich
weiter in Zukunft in einigermaßen günstigen Zeiten
die Stadt entwickeln dürfte, zeigt Schumacher in
höchst interessanter und durch eingehende Sach-
und Ortskenntnis ausgezeichneter Darstellung. Besonders
die Ausblicke, die er für die städtebauliche
Zukunftsarbeit gibt, können weit über Hamburgs
Verhältnisse hinaus auch für andere Stadterweiterungsaufgaben
und wohnungspolitische Bestrebungen
richtunggebend werden und müssen auch
für den, den die vorzugsweise Hamburger Fragen
weniger interessieren, durch ihre allgemeine Bedeutung
von Wert s ein. Wiener
2l6
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_46_1922/0258