Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 46. Band.1922
Seite: 218
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WAND- UND MÖBELSTOFF ENTWURF E. K LEI NH EMPEL-BREM EN

Handdruck; schwarzer Grund mit Lila, Grün, Blau, Ziegelrot. Ausführung auf hochwertigem Faserstoff

Ausführung: Deutsche Textile Kunst, Leipzig

des jungen Sachstiles bedrohten, sondern noch
heute ist der Reichtum seiner Imagination unversehrt
, sein künstlerisches Innenleben jugendlich
, behend und immer bereit, sich auf die
Notwendigkeit der Dinge und die der Probleme
einzustellen, elastisch und von gesunder Frische.
Wenn die Deutsche Textile Kunst sich bei allen
ihren Unternehmungen künstlerisch einwandfrei
, und mehr als das, als die Trägerin besonders
wertvoller künstlerischer Anregungen erwiesen
hat, so ist das ein Ergebnis der glücklichen
Ehe, die zwischen dem weitblickenden
und energischen Organisator und dem sich frei
und heiter auslebenden Künstler geschlossen ist.

Es lag diesem Bunde vor allem daran, die Ersatzstoffe
, die Fasergewebe, zu deren Verwendung
der Mangel an anderen organischen Stoffen
in der Not der Zeit uns zwingt, im Sinne
ihrer besonderen Materialgerechtigkeit zu verwenden
. Nach den verschiedensten Versuchen
gelang es, eine Ware zu schaffen, die sowohl
praktisch, dauerhaft, wie in ihrer stofflichen
Wirkung vornehm, künstlerisch edel erscheint.
Besonders der eine Gedanke fesselte: nämlich
Wandstoff und Möbelbezug, Tapete und Gobelinstoff
, ja die Tüllvorhänge einer einzigen
künstlerischen Harmonie einzufügen. Nicht nur

durch Verwendung des gleichen Musters, sondern
durch das farbige Gegeneinanderabstim-
men; der Ton, der in der Dekoration der Wand
angeschlagen ist, soll, gedämpft oder gesteigert,
in den Möbeln, in dem feinen Gewirk vor den
lichtspendenden Wandabschlüssen wiederklingen
. Hier drängen sich, in der einen der Tapeten
Kleinhempels, schwere ägyptisierende
Kelchblüten in einem breitflutenden Strom von
Schwarz, Gelb und Grau, dort schwankt die bizarre
Ranke, von märchenhaften Blumen akzentuiert
; dort wieder rührt sich, kokett und selbstbewußt
, in Hellblau, Schwarz und Weiß ein zeitfremdes
Rokoko. Ein wuchtiger Gobelinstoff
zeigt auf weinrotem Grunde monumentale Weinblätter
. Was Gottfried Semper höchst gelehrt
das Prinzip der Juxtaposition nannte, den Ausgleich
der Motive, läßt der Künstler wiederum
in einem Möbelstoff walten, wo ein keckes
Ziegelrot das Wallen von tropisch üppigen, in
scheinbar rastloser Bewegung ruhenden Blumenwundern
trägt. Ein sehr schöner Seidendamast
läßt, in der lockeren Verteilung der ornamentalen
Gebilde auf dem satten Grunde, an persische
Motive denken. Wie lustig schaukeln
sich auf einem handbedruckten Vorhangstoff
die Kakadus in ihren Blätterringen! Dieses

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