Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 46. Band.1922
Seite: 220
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MÖBELBEZUGSTOFF

Wollgobelin; Weinrot, Ton in Ton mit Grau.

ENTWURF E. KLEI NH EMPEL-BREM EN
Ausführung: Deutsche Textile Kunst, Leipzig

Muster wird auch als Gardine, in Tüll gewebt,
seine anmutigen Züge nicht verlieren. Als graphische
Komposition, in Schwarz-Weiß, spiegelt
ein Seidenbatist die pikante Beweglichkeit,
wie sie gelegentlich bei Erfindungen der Wiener
Schule angetroffen wird. Diesen Schöpfungen
des Bremer Meisters schließen sich einige Entwürfe
an, die gelegentlich eines Wettbewerbes
in den Besitz der Firma gelangten. Da läßt
Karl Staudinger, der Direktor der Industrieschule
in Sonneberg, ein gezacktes Blatt, innen
in Weiß aufgelöst, mit roten Früchten auf
schwärzlicher Fläche emporstreben. Ulrich Rüdiger
, Hannover, geht der großen, eindrucksvollen
Form nach; seine Tapete, in einem Dreiklang
von Schwarz-Weiß, Violett und Lehmgelb,
verlangt nach einem fast monumentalen architektonischen
Rahmen. Ein Widerspiel dann in
dem Entwurf von Arno Pilz: so rassig das Potpourri
von Äpfeln und Trauben in seiner linearen
Beweglichkeit, so anziehend ist auch sein farbiges
Gewand, wo ein freches Gelb, ein hysterisches
Grün und ein verdrücktes Blau sich in
einem schwarzen Boudoir ein verwegenes Stelldichein
geben.

Das Ziel alles textilen Zeichnens sollte sein,
sagt William Morris einmal, Klarheit der Form
und Festigkeit der Struktur mit dem Geheimnis
zu verbinden, das der Üppigkeit und dem Reichtum
an Detail entspringt. Und das ist in gewebten
Sachen leichter zu erreichen als in
flachen, gemalten Dekorationen und Tapeten,
weil bei den ersteren die Stoffe gewöhnlich in
Falten hängen und das Muster mehr oder weniger
gebrochen ist, während es bei den letzteren
flach gegen die Wand ausgebreitet ist.
Führt keine Linien oder Objekte ein, die nicht
durch die Struktur des Musters erklärt werden
können; es ist gerade diese logische Folge der
Form, diese Wesenhaftigkeit, die sich ansieht,
als ob es unter den Umständen gar nicht anders
hätte sein können, die das Auge davor
bewahrt, an der Wiederholung des Musters zu
ermüden. — Wie hat man nicht in der Jahrtausend
alten Entwicklung textilen Schaffens
gegen diese schlichte Weisheit gesündigt! Selbst
die klassischen Granatapfel- und Vasenmuster
des mittelalterlichen Brokat, der Alhambrastil
der maurischen Gewebe des 15. Jahrhunderts
mit seinem ausgeprägten Fliesencharakter bedeutet
eine nicht unbedenkliche Probe auf solch
ein theoretisches Exempel. Man denke aber erst
an irgendeinen der feierlichen Lyoner Seidendamaste
aus der französischen Restaurationszeit,
wie sie z. B. die berühmte Firma Chuard & Co.
für den Gebrauch Ludwigs XVIII. herstellte.
Bronzene Vasen, in klassizistischer Starrheit,
mit den bourbonischen Lilien gefüllt, durch

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