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JOSEF WILM, BERLIN-FRIEDENAU
RINGE. GOLD MIT LILA-SAPHIR
UND BRILLANTEN (LINKS); GOLD,
MONDSTEIN. FÄRB. PERLEN UND
BRILLANTEN (RECHTS)
SS
JOSEF WILM, BERLIN-FRIEDENAU
ARMBAND IN GOLD MIT BRILLANTEN UND PERLEN
leitung der Siedlung übertragen war, ließ sich
dabei von drei Forderungen leiten: i. An den bestehenden
Torbogen (über der Zufahrtsstraße) ist
ein architektonischer Anschluß mit Betonung als
Eingang zur Gesamtanlage zu schaffen. Gegen den
Vergnügungspark — im besonderen gegen die
Schießbude — ist ein dementsprechender Abschluß
nötig. 2. Um das vorhandene Wasserbassin ist eine
Hauptgruppe von Häusern als Dominante des
Ganzen zu errichten. Das Haus der Landessiedlung
als einzige wirklich ländlich-bäuerliche Siedlung
wird etwas zurückgerückt. 3. Der Baumbestand
ist zu erhalten; die Weg- und Straßenzüge
entwickeln sich aus der gegebenen Situation
. — So entstand, obwohl jedes
der zehn Häuser einem anderen
Zwecke dient und in einem
anderen Gau beheimatet ist,
ein befriedigendes Ensemble, zu
dem Gartenarchitekt Tischler
eine verbindende Gartenanlage
schuf. Nach diesem Überblick
wollen wir den einzelnen Häusern
einen kurzen Besuch abstatten
.
Die „Deutschen Werkstätten"
stellen zwei zerlegbare Holzhäuser
aus: ein Ferienhaus, entworfen
von Professor Riemer-
schmid, und ein geräumiges,
höchsten Anforderungen genügendes
Einfamilienhaus von Professor
Niemeyer*). Das Charakteristische
des Riemerschmid-
schen, streng symmetrisch nach
der Längsachse ausgebildeten
Hauses ist ein einziger, großer
Mittelraum mit vorn und hinten
angegliederten, ganz kleinen
Raumgefachen. Die graue,
warme Farbe des Holzes mit
sparsamer Verwendung von Rot
stimmt ebenso behaglich wohnlich
wie vornehm geschmackvoll.
Wenn man freilich über den
Grundriß und seine praktische
*) Das erste kostet 700000 M. und
ist schon siebenmal verkauft, das zweite
kostet 2^2 Millionen Mark und ist zweimal
verkauft.
A.BENNINGHOVEN-OBERSTEIN
ANHÄNGER IN FÄRB. GOLD
U. PLATIN MIT AMETHYST,
OLIVINEN U. BRILLANTEN
Benützbarkeit etwas nachdenkt, tauchen Fragen
auf wie z. B.: Wie bewährt sich die Kochzelle,
wenn man mit Heizmaterial und Asche durch
den Hauptraum gehen muß, wo soll überhaupt
der Koks und das Holz aufbewahrt werden?
Wäre der nur von außen zugängliche „Geräteraum
" nicht besser im Innern zu gebrauchen?
Wäre es nicht zu vermeiden, daß sämtliche Bettnischen
nur vom Hauptraum, der doch zugleich
Elternschlafzimmer sein Boll, zugänglich sind?
Können die Leitungen nicht besser zusammengelegt
werden? Doch vielleicht sind solche Maßstäbe zu
streng; denn dieses ganze „Haus" will vielmehr
wie eine kunstgewerblich reizvoll ausgestattete
Schachtel und nicht wie „Architektur
" betrachtet werden. —
Die ungemischt reinste Freude
kann man zweifellos an dem
hochgiebeligen Niemeyer - Haus
haben. Hier herrscht strenge,
überzeugende Harmonie. Während
bei den meisten anderen
Häusern der Siedlung sich das
malerische Moment nur zu oft
effekthaschend hervordrängt, ist
hier alles durchaus räumlich konzipiert
. Nicht auf den hineingestellten
netten Sachen liegt der
Akzent, sondern in den Raumelementen
, Wänden, Decken, Böden
und ihrer Zusammenstimmung
. Und das Geheimnis dieser
starken Raumseele verbirgt
sich in dem äußerst geschickten
und konsequent durchgeführten
Einbau von Schränken in die
Zwischenwände. (Die beiden
D. W. - Häuser sollen in einer
Sonderveröffentlichung mit Abbildungen
an dieser Stelle gewürdigt
werden.)
Der Anbau an den vorhandenen
Torbogen, dem Eingangspunkt
zur Siedlung, ist von
Stengel und Hofer im Auftrag
der Württ. Formsteinbau-A.-G.
Stuttgart entworfen. Er stellt
ein massiv bürgerliches Einfamilienhaus
kleinsten Typs dar
(Grundriß 6.5 auf 8,5 m). Charakteristisch
ist die gekurvte
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