Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 47. Band.1923
Seite: 27
(PDF, 72 MB)
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Sammlung ermöglicht: „Alles Wissen, Können
und Streben führt doch ohne Glauben und Hingebung
zu keinem wahren Resultat; im Gegenteil
sind sie häufig Zerstörer der Inspiration.
Solange das Wissen nicht ganz in Einem aufgegangen
ist, ist es hinderlich" (103). „Ich für
meine Person glaube
unerschütterlich an die
Lebenskraft alles dessen,
worin nur ein Körnchen
des Echten und Guten
enthalten ist" (157). „Sobald
die Luft, die ich
atme, nicht rein ist, ist
es mit meinem Schaffen
vorbei" (12g). „Es ist,
als ob der Geist der
wahren Erfindung ganz
aus der Welt verschwunden
wäre; es ist freilich
eben so unbequem,
auf sie auszugehen als
auch einzugehen. Vor
einer dauernd ruhig innerlichen
Beschäftigung
schrecken die meisten
Menschen heutzutage
zurück und sehen nicht
ein, daß sie dadurch das
kurze Dasein noch mehr
verkürzen" (384). Und
doch: „Die höchste
Liebe wie die höchste
Kunst ist Andacht: dem
zerstreuten Gemüt erscheint
die Wahrheit wie
die Schönheit nie (Herder
)" (386).

Wie gestaltete er bei
diesen Anschauungen
sein Verhältnis zur Umwelt
? Den Menschen
vom Künstler zu trennen
, erschien ihm Widersinn
: „Das er ein
Mensch ist, das macht es
ihm (dem Künstler) so
schwer, ein Künstler zu
sein; und doch ist das
eine ohne das andere
nicht möglich. So kann

er sich auch unmöglich der Aufgabe entziehen,
ein ganzer womöglich durchläuterter Mensch
zu werden. Ich kann keinen anderen Weg erkennen
, auf dem man sich das unmittelbare,
unbefangene Verhältnis zur Natur, das sie
einem in der Kindheit als das schönste Geschenk
zeigt, erwerben könnte, auch keinen

J. W. FEHRLE

anderen, auf dem es zu lernen wäre, den allen
verständlichen Ausdruck zu finden. (Die leichte
Zugänglichkeit bleibt immer eine der schönsten
Eigenschaften eines Kunstwerks)" (362). „Mannigfache
Kenntnisse, großes Talent und eminente
Geschicklichkeit dienen schließlich zu

nichts, wenn sie nicht
von gesundem, reinem,
natürlichen Sinn geleitet
werden. Darum muß
ich immer wieder von
Neuem es hinein verflechten
, daß der Künstler
auf seine menschlichen
Eigenschaften die
größte Aufmerksamkeit
verwenden soll; ebenso
auf seine Beziehungen
zu den Menschen" (363).

Die Gefahr solcher
Beziehungen, wenn sie
an der Oberfläche bleiben
, erkannte er klar
und zog die Folgerungen
aus dieser Erkenntnis:
„Das größte Hindernis
bleibt stets die gute Gesellschaft
; um comme
il faut zu sein, bedarf
es nicht mehr Verstandes
, als der eines Nußknackers
, während die
verlangten, erbärmlichen
Rücksichten den Gescheiten
seiner besten
Zeit und besten Gedanken
berauben" (131).
„Je weniger Gesellschaften
man frequentiert,
um so weniger Mißhelligkeiten
hat man. Man
kann nicht genug sich
vorsehen, nicht in den
Strudel des modernen
Treibens, dieser Hast,
dieses Nippens statt Genießens
, hineingerissen
zu werden" (34). „Denn
besitzt man vielleicht
auch eine feste Überzeugung
und Geduld genug
, die Dinge reifen zu lassen, so ist man
doch nie sicher, daß die Epidemie der Hast
einen nicht auch ansteckte" (218).

„Ich habe Zeiten, wo ich die Einsamkeit
über alles liebe, weil ich gerade in ihr am
besten verkehren kann, mit denen ich sympathisiere
. Erinnerung und Phantasie, die eng

SIBYLLE (ZEMENT)

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