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Impressionisten (so sehr auch hier mit großem
Raffinement gerade die Franzosen Degas wie
Manet mit dem auch ihnen eigenen, echt gallischen
Rationalismus Kunstvolles geleistet haben
). Aber, wie gleich gezeigt wird, seine Tektonik
ist keineswegs von echt romanischer
Stärke und Reinheit.
Goya verzichtet als Impressionist auf jede
goya
falsche Plastik, auf Rundungsschatten. Aber
das impressionistische Unterdrücken des Unwesentlichen
charakterisiert seine Kunst nur zur
Hälfte. Gewiß war er einer der ersten, der den
Augenreiz der uns umgebenden Welt so wiedergab
, wie er ihn ( empfand, der die Dinge schilderte
, wie er sie sah, nicht was er von ihnen
wußte. Aber er begnügte sich doch nicht immer
damit. Sicher war er
einer der ersten, die ihre
Kunst in modernem Sinn
auf Aktion, auf Bewegung
stellten. Aber er
hat auch hier nicht nur
das rein Äußerliche festhalten
wollen, wie das
Sausen des Spinnrads
und des Schleifsteins —
das von Velazquez Begonnene
weiterführend
—, sondern er unterstrich
das Dynamische,
verlieh der Bewegung
eine besondere Stärke
als Ausdrucksmittel.
Dies ist ein wesentlicher
Faktor von Goyas Kunst.
Er will nicht nur wie
Constable und Manet ein
farbiges Abbild der Natur
mit möglichst einfachen
Mitteln auf die
Leinwand zaubern, es
war ihm um Herauslösen
des Geistigen, um tiefste
Durchgeistigung der
Materie zu tun. Um seinen
Werken in diesem
Sinn den nötigen Nachdruck
zu verleihen, erstrebte
er nicht nur
höchste Spannung,stärk-
ste Aktion, gewaltigste
Monumentalität, sondern
griff zur Übertreibung
, zur Groteske, zur
Phantastik. So ist Goya
nicht nur zum Ahnen
von Daumier wie von
Manet und seiner Nachfolger
geworden, sondern
in gleichem Maß
zum Ahnen eines Ce-
zanne wie eines Münch.
Das Bewegungsmoment
spielt in nahezu
allen Schöpf ungenGoyas
die marquesa de pontejos eine große Rolle. Nicht
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