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MAX SLEVOGT
AUS DEM ACHILL (LITHOGRAPHIE)
Mit Genehmigung von Bru?io Cassirer, Berlin
MAX SLEVOGT ALS GRAPHIKER UND ILLUSTRATOR
ZUR AUSSTELLUNG DER GALERIE ERNST ARNOLD, DRESDEN
Die Galerie Ernst Arnold in Dresden zeigt
gegenwärtig in einer Ausstellung, die ihre
sämtlichen Räume füllt, den Berliner Max Sle-
vogt als Graphiker und Illustrator. Mit Hilfe
des Künstlers selbst, seines Hauptverlegers
Bruno Cassirer und dreier bedeutender Sammler
ist eine Sammlung von Probedrucken zusammengebracht
, wie man sie in gleicher Güte
und Vollständigkeit kaum noch je beisammen
gesehen hat. Wenn Slevogt wohl als Illustrator
bekannt und geschätzt, als Graphiker aber noch
nicht in gleichem Maße gewürdigt worden ist,
so liegt das daran, daß seine graphischen Blätter,
vor allem die Probedrucke zu seinen Illustrationen
meist nur in geringer Zahl hergestellt
worden sind und diese verhältnismäßig wenigen
Abdrücke alsbald von den führenden Kupferstichkabinetten
und von den Graphiksammlern
angekauft worden und damit für die Öffentlichkeit
verschwunden sind. In der Galerie
Arnold erhält man jetzt Gelegenheit zu einem
Überblick über das gesamte graphische Werk
Slevogts, wie es — etwa abgesehen von der
Ausstellung des Berliner Kupferstichkabinetts
an des Künstlers fünfzigstem Geburtstage —
noch nicht geboten worden ist. In drei Abteilungen
sieht man hier zunächst Slevogts
frühe Lithographien, die Illustrationen zu den
Lederstrumpf-Erzählungen von James Cooper,
die Bilder zur Ilias, die d'Andrade-Bildnisse und
einige andere prächtige große Blätter, weiter
Federzeichnungen, eine Anzahl Bildnisse von
Verwandten und Bekannten, die in den Jahren
1890 und 1891 in Kochel entstanden sind und
hier zum ersten Male gezeigt werden, sowie
einige köstliche Aquarelle, endlich in den oberen
Räumen die frühen Radierungen, sowie Probedrucke
zu den großen Reihen an Lithographien
zu Ali Baba, zu Sindbad dem Seefahrer, zu den
Märchen — besonders zum Gestiefelten Kater—,
zum Benvenuto Cellini, zu den Gesichten, der
Eroberung Mexikos durch Ferdinand Cortez,
zu Mozarts Zauberflöte, zu der Insel Wak Wak
aus Tausendundeine Nacht, dazu einige hervorragende
Bildnisse u. a. Wenn man die rund
500 Blätter durchsieht, erstaunt man immer
von neuem über die Fülle von Erfindungen,
die dem Künstler nur so zuströmen, über den
Reichtum von Phantasie (im Sinne Liebermanns
) und über die wunderbare Qualität der
Drucke, die hoch über den in Massenauflage
hergestellten Illustrationen stehen. Ein kleines
Buch unter dem Titel Max Slevogt als Graphiker
und Illustrator mit einem feinfühligen
Text von Emil Waldmann in Bremen und mit
30 vorzüglichen Abbildungen der wichtigsten
Die Kunst für Alle. XXXVIII.
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