Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 47. Band.1923
Seite: 120
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fließenden Wassers, dessen Klang in Fernen
verdämmert. Das Bild des Brunnens gründet
sich geradezu auf diese beiden ästhetischen
Erscheinungen. Am schönsten sichtbar im
römischen Brunnen:

Aufsteigt der Strahl,
Und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund ;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich
Und strömt und ruht.

Das Wasser umfließt die hohen Schalenbrunnen
und erfüllt die Ruhe des Steines mit seinem
lebendigen Rhythmus. Die in geschwungenen
Bogenlinien ausfließenden Wasserstrahlen begleiten
als muntere Weisen die Architektur des
Brunnens, welche die Plastik durch mannigfaltige
Bilder und Gestalten mit symbolischem
Leben erfüllt.

An diesen Typus des römischen Brunnens
anknüpfend, offenbart sich in Hildebrands
»Wittelsbacher Brunnen« in München auch die
Kunst des modernen Künstlers schöpferisch,
neugestaltend, aber doch nur, weil er, ganz im
antiken Sinne, an eine Nähe und an lokale
Traditionen anknüpfte. Indem er den Brunnen
aufs innigste mit dem Platze verband, lokalisierte,
erscheinen auch die darin zum Ausdrucke gebrachten
symbolischen Bilder als in dieser Umgebung
gegenwärtig und mit dieser Natur innig
verbunden. Unter Wasserschleiern, die über die
großen Brunnenschalen herabwallen, sehen wir
in ausdrucksvollen mimischen Masken plastische
Verkörperungen an lyrischen Stimmungen, wie
sie den Menschen in seinen Beziehungen zum
Wasser anwandeln und wie sie in vielen Volksliedern
widerklingen: wohlige Lust im Bade,
das Erschauern im Wasser und das Grauen vor
seinen todbringenden Tiefen. Auch die beiden
Gruppen, die Frauengestalt auf dem Stier und
der steinschleudernde Reiter auf dem sich bäumenden
Rosse zeigen im Gegensatz der Geschlechter
die fruchtbare und die gewaltige
Kraft des ruhigen und bewegten Wassers. Wer
denkt dabei nicht an die durch die Stadt brausende
Isar und an die von den Bergen strömenden
Quellen der Münchner Trinkwasserleitung?

Dieser Münchner Brunnen kann als klassisches
Beispiel einer Neuschöpfung moderner
Symbolik gelten. Am Kunstbrunnen ergeben
sich auch heute noch immer Möglichkeiten,
zum Volke in Bildern zu reden. Und so sind
auch in München, wie zum Beispiel in den vieldeutigen
, von neuer Wassersymbolik mannigfaltig
belebten Bildern am „Florabrunnen" von
Karl Miller, Brunnenschöpfungen entstanden, die
glücklich an die Natur des Landes, an lokale Eigentümlichkeiten
, Geschichten, Sagen und Märchen,
an volkstümliche Heilige und andere Traditionen
anknüpften und so jenen uralten und doch ewig
neuen Beziehungen des Menschen zum Wasser
poetischen Ausdruck gaben. A. Heilmeyer

E. MAYER-FASSOLD

ENTWURF FÜR EINE BRÜCKENFIGUR

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