Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 47. Band.1923
Seite: 138
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S. L. WENBAN

AUS DER GEGEND DES STARNBERGER SEES (RADIERUNG)

dem Ausländer vollends in den Hintergrund
drängten.

Wie wäre es auch möglich gewesen, ein Urteil
zu gewinnen über einen Künstler, der in übergroßer
Bescheidenheit die wenigsten seiner
Arbeiten aus seiner stillen Werkstätte je hinausgelangen
ließ in die Öffentlichkeit. Was sollen
alle anpreisenden Worte über Kunstwerke
nützen, wenn deren Anschauung selbst fehlt!
Hier konnte nur eine öffentliche Ausstellung
gerechte Abhilfe schaffen, die sich die dankbare
Aufgabe setzte, einmal Wenbans künstlerisches
Wollen und Arbeiten, seinen ganzen
Werdegang in der graphischen Kunst von den
ersten autodidaktischen Versuchen bis zu den
vollendeten Meisterwerken seiner Reifezeit in
einem wohl durchdachten Gesamtbild klar vor
Augen zu führen. Wie viel Förderung hätte
eine solche Schau dem schwer um Anerkennung
ringenden Manne bieten können! Nun sollte
sie ihm wenigstens als posthume Ehrung die
Festigung seiner historischen Stellung bringen,
die sein Künstlertum durchaus verdient. Den
äußeren Anlaß zu deren Veranstaltung bot die
25. Wiederkehr seines Todestages.

Würde sich aber auch die jetzige Generation,
die in der Schule des Expressionismus zu gerade
entgegengesetzter künstlerischer Anschauungsweise
erzogen werden sollte, mit der altmeisterlich
intimen Radierkunst Wenbans abfinden
können? Es war nicht ohne weiteres zu

erwarten, daß seine auf unerbittlicher Naturtreue
beruhende Vedutenradierung, die letzten
Endes in Rembrandt ihren großen Ahnherrn
hat, heutzutage eine vorurteilslose Würdigung
finden würde. Um so überraschender war die
warme Aufnahme, die gerade diese Ausstellung
gefunden hat. Wenn es ein Kriterium wahrer
Kunst ist, daß sie unabhängig von Zeit- und
Moderichtungen ihre suggestive Kraft bewahrt,
Wenbans Werke haben diese Feuerprobe gut
bestanden. Es zeigte sich, daß sein naturfrischer
Realismus, der persönlich gesehene Bildeindrücke
ohne Künstelei wiedergibt, auch heute
noch den Beschauer in seinen Bann zu zwingen
vermag.

Freilich waren bei der Zusammenstellung
auch nur vorzügliche eigenhändige Drucke ausgewählt
worden. Gerade in diesem Punkte hatte
man seither an Wenbans radiertem Werk schwer
gesündigt. Wie im allgemeinen der Sinn für die
Qualität des Einzeldruckes in deutschen Sammlerkreisen
bis vor wenigen Jahren nur gering
entwickelt war, so hat man auch Wenbans
Künstlertum einen schlechten Dienst erwiesen,
als man nach seinem Tode in dem wohlmeinenden
Bestreben, seine Kunst zu verbreiten, von
den Platten kritiklos minderwertige Neudrucke
in größerer Anzahl nahm und in Umlauf
brachte. Diese reizlosen, schalen Drucke hatten
zumeist die Meinung von seiner Radierung bestimmt
. Und nun sah man sein radiertes Werk

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