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HEFUäEL PCT WOLLMANN-
UND TRAU HELENLGEB-KKUG
S. LIPINSKY
von dort, die er, so gut es gehen wollte, in
München nicht untätig vertrauerte, sondern
durch intensive Arbeit erträglich zu machen
suchte. Seit Kriegsschluß aber lebt er, eifrig
schaffend und lehrend (an der englischen Akademie
), wieder in Rom, zwar unter ungleich
schwierigeren Bedingungen als vor dem Kriege,
aber doch an der Quelle, aus der allein er
Auftrieb, Schaffenskraft und Inspiration zu
schöpfen vermag.
In seinen Bildern, die nicht sehr zahlreich,
aber von einer wundervollen Harmonie der
Form und des Kolorits sind und als deren
schönstes vielleicht die „Äpfel der Hesperiden"
gelten können, nähert sich Lipinsky einem
Idealtypus, für den Namen wie Marees und
Thoma, an die man vor ihnen denken mag,
allerdings nur die Bedeutung von Etappen
haben. Es liegt aber wohl im Wesen der Kunst
EXLIBRIS
Lipinskys begründet, daß ihr Stärkstes und
Persönlichstes in der Graphik zum Ausdruck
kommt. Die Anregung dazu, Nadel und Stichel
zur Hand zu nehmen, gab ihm der Formenreichtum
Roms, dessen Gestaltenfülle unerschöpflich
ist. Und so kam es, daß Lipinsky
auch zu einer Zeit, da überall der Impressionismus
das große und bewegende Problem
war, sich wie mit Zaubergewalt zur Form und
zu ihrer edelsten und schönsten Inkarnation,
dem menschlichen Körper, hingezogen fühlte.
Er zeichnete mit einem geduldigen Fleiß, der
heute kaum mehr verstanden wird, aber ihn
freilich auch zu einem Meister des Stifts gemacht
hat, wie wir deren nur wenige haben.
Dann begann er zu ätzen, lernte bald auch die
Technik des Stichs schätzen und hat in der
Folge bei fast allen seinen Blättern diese beiden
graphischen Verfahren je nach Bedarf kom-
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