Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 47. Band.1923
Seite: 270
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HANS LEINBERGER

MUTTER GOTTES VOM MOOSBURGER
ALTAR (um 1513) □

Aufnahme Riehn Reusch, München

der Skulpturen jedoch ist, trotzdem
auch hier die Draperie das Hauptausdrucksmittel
bleibt, grundverschieden
von der Produktion der vorhergegangenen
Jahrzehnte. Wie von einem gewaltigen
Sturmwind aufgepeitscht, so
flattern die reichen Gewandmassen um
die in schöner Körperlichkeit modellierten
Gestalten. Die hoheitsvolle Würde
der Gottesmutter, die wahrhaft ritterliche
Haltung der beiden Heiligen, die
Tiefe des seelischen Ausdrucks in den
herben und doch so fein charakterisierten
Gesichtern sprechen so deutlich
für sich selbst, daß jedes Wort der
Beschreibung ein Unding wäre. Es
gehört zu den ganz großen Erlebnissen
im Reiche der Kunst, ähnlich
dem von St. Wolfgang und Blaubeuren
, wenn man in dem stillen Städtchen
Moosburg bewundernd vor Lein-
bergers Schnitzaltar steht.

Aus der Zeit des Moosburger Altars
sind auch zwei Einzelfiguren von
gleich hoher künstlerischer Qualität erhalten
. Die lebensgroße Standfigur der
hl. Magdalena (Abb. S. 273) und das
Flachrelief der trauernden Maria (Abb.
S. 272), beide jetzt im Nationalmuseum
zu München. Sie stammen aus niederbayerischen
Landkirchen, die Maria aus
der Pfarrkirche zu Dingolfing, die Magdalena
aus der Nähe von Frontenhausen
. Die hl. Magdalena ist zweifellos
eine der anziehendsten Schöpfungen
Hans Leinbergers. Bei wenigen seiner
Gestalten ist das Gesicht so reizvoll
modelliert. Die demutsvolle, edle Haltung
der großen Sünderin, die dem
Herrn mit dem Salbengefäß zaghaft
naht, ist mit einer ergreifenden Menschlichkeit
ausgedrückt. Bei dem Relief
der trauernden Maria, das allem Anschein
nach ehemals zu einer Kreuzigungsgruppe
gehörte, muß man neben
dem mit den einfachsten Mitteln gelösten
Ausdruck tiefen Schmerzes vor
allem auch die virtuose Beherrschung
der Schnitztechnik bewundern. Aus
einem Brett, das keine zwei Finger
stark ist, holt der Künstler eine plastische
Wirkung heraus, die dem Eindruck
einer halbrunden Figur nichts
nachgibt und doch die wohltuende Ruhe
einer ganz in der Fläche liegenden,
rhythmisch schön bewegten Körperlichkeit
besitzt. Da Leinberger Flachreliefs
in dieser Größe überaus selten

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