http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_47_1923/0328
Jahren geschaffen hat und welche das Bild einer
stagnierenden, nichts Neues mehr bietenden, wenn
auch qualitativ sehr hohen, impressionistischen
Malkunst darbieten, konnten sich Bilder, wie er
sie nun seit drei Jahren dem erstaunten und bewundernden
Publikum zeigt, nicht erwarten lassen.
Was Corinth jetzt anstrebt und erreicht, bildet
unter Beibehaltung aller technischen Errungenschaften
des Impressionismus einen vollständigen
prinzipiellen Gegensatz zu dieser Richtung. Dieser
Künstler ist ein Beispiel dafür, daß man den Impressionismus
nur mit seinen eigenenWaffen schlagen
kann. Nur derjenige kann zu einer über die
äußerlich sichtbare Natur hinauswachsendenKunst
gelangen, der eben diese äußerliche Sichtbarkeit
vollkommen beherrscht. DiesesKönnen hat Corinth
in hohem Grad und er verdankt es, so anscheinend
veraltet dies auch heute klingt, zum großen Teil
seiner vergangenen, akademischen Schulung. Er
Studierteindenachtzigerjahren beim sehr tüchtigen
Loefftz in München, nachher in Paris bei den als
historischen Kitschmalern berüchtigten Fleury und
Bougereau, die ihm aber als Lehrer für das rein
Erlernbare, Reale recht nützlich waren und bei
ihm jene solide Basis schufen, welche auch seine
letzten so sehr modernen Bilder durchaus als
organisch in seiner Entwicklung gelegen empfinden
lassen.
Bezeichnenderweise spiegeln Landschaften und
Stilleben sein neues Stilwollen am besten wider,
denn diese hat er in seiner impressionistischen
Periode am tiefsten erlebt, diese kann er also auch
am sichersten umgestalten, während seine figura-
len Bilder, welche auch schon früher einen so
starken literarischen Beigeschmack hatten, diesen
auch jetzt nicht vollständig abstreifen können.
Und es ist ja auch klar, daß die erste Etappe der
neuen, anti-impressionistischen, komponierenden
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