http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_47_1923/0367
C. GERHARDINGER
Glaspalast München. Künstlergenosscnschaft
AZALEEN
DIE AUSSTELLUNG IM MÜNCHNER GLASPALAST 1923
Angesichts des furchtbaren Ernstes der Ge-
k genwart und der trostlosen Zukunftsaussichten
für alle geistigen Arbeiter verbietet es
sich eigentlich von selbst, an eine Ausstellung,
die auf Verkauf abzielt, einen hohen Maßstab
anzulegen. Zwar scheinen in vielen Kreisen die
materiellen Erfolge des Tages noch nichts von
der Ungunst der Umstände verspüren zu lassen,
aber man täusche sich nicht: immer drohender
wird die Daseinssorge. Setzt doch leider
jetzt schon, sehr zum deutlich erkennbaren
Schaden, eine atemlose Fieberhaftigkeit im
Tempo des Kunstschaffens ein, gepeitscht von
der Furcht vor Konkurrenz, die dem wünschenswerten
stillen Ausreifen hinderlich ist. Dies
macht sich im Gesamtbild unserer Ausstellung
insofern bemerkbar, als so viel Nichtbildmäßi-
ges, nur für die Zwecke der Ausstellung Gearbeitetes
sich vordrängt. Ein umfassender Überblick
und ein völlig objektives Urteil sind auch
deshalb erschwert, weil nicht jedes wirkliche
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Talent zu Worte gekommen ist, weil selbst Namen
von Rang fehlen und weil andere nicht
mit ihrem Besten vertreten sind. Auch erzielen
z. B. kleinere Gemälde, in dunklen ruhigen
Farben gehalten, in der für sie ungeeigneten
zu großen Umgebung nicht die ihnen eigene
Wirkung, wie denn in einem ungleich besetzten
Orchester Pauken und Posaunen die Violinen
leicht übertönen.
Wenn nun das Gesamtergebnis auch in diesem
Jahr, gemessen an der idealen Forderung
seiner hohen Kunst, kein allzu glänzendes ist,
so möchten wir doch betonen, daß sich mancher
Edelstein finden läßt. Bleiben auch die
ganz großen Erschütterungen und Beglückungen
aus, so verbleibt doch manch günstiger
und nachhaltiger Eindruck. Neben viel Durchschnitt
, viel rein Illustrativem und rein Gegenständlichem
begegnen Qualitäten! Am besten
schneidet die Plastik ab. Gips, auch geschmackvoll
getönter, steht neben echtem Material.
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