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BERNHARD SOPHER
BÜSSENDER MÖNCH (KLEINPLASTIK. HOLZ)
Stellungen schenken nur wenige den plastischen
und graphischen Abteilungen die gebührende
Beachtung.
Bernhard Sopher ist kein Rheinländer (geb.
am 15. Juni 1879 in Safed, Kleinasien, seit seinem
17. Lebensjahre in Deutschland), doch ist
er seit 1908 in Düsseldorf ansäßig. Unsere Zeitschrift
hat gelegentlich in früheren Jahrgängen
Bildwerke von ihm reproduziert (1913, Septemberheft
, S. 536; 1917, Februarheft, S. 179),
aber zusammenfassend ist von diesem noblen
Künstler nie gehandelt worden. Wenn er in
früheren Figuren, wie dem schnell bekanntgewordenen
„Sklaven" von 1908 (heute in Aachener
Privatbesitz) von akademischer Konvention
nicht ganz frei blieb, so zeigt seine künstlerische
Entwicklung im letzten Jahrzehnt eine
immer deutlicher in die Erscheinung tretende
Befreiung. Vor allem Verinnerlichung! Die Muskelmänner
verschwinden aus Sophers Schaffen.
Die Verfeinerung im Psychischen entspricht
einer gewissen Losgelöstheit im Formalen. Daß
die Not der Zeit auch diesen Künstler vom
Monumentalstil zur Kleinplastik, Plakettenkunst
und zu der mit besonderem Glück geübten
Bildniskunst führte, erscheint beinahe mehr
Förderung als Hemmnis.
Auf der diesjährigen Düsseldorfer Kunstausstellung
im Kunstpalast zeigt Sopher hervorragende
Proben seiner Kunst als Gast der
Künstlergruppe „Niederrhein". Ein Chinesenköpfchen
ist ein kleines Meisterwerk. Ein Vergleich
mit der Sonderausstellung von Professor
Richard Langer, die neben zahlreichen ausgeführten
Figuren auch Entwürfe, Kartons und
Zeichnungen bringt, ist ungemein lehrreich.
Beide Künstler haben einst gemeinsam ihre
künstlerische Lehrzeit begonnen. Langers Stilwollen
, in einem persönlichen Neubarock wurzelnd
, führte zu einer gewissen Manier. Sopher
hat sich zeitig davon befreit und darf zu den
wenigen Künstlern rechnen, von denen in
Düsseldorf Überraschungen erwartet werden
dürfen. Dr. Walter Cohen
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