Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 48. Band.1923
Seite: 24
(PDF, 54 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_48_1923/0040
Man ersieht hieraus, wie auch kleinere Betriebe
unter energischer und kultivierter Leitung Ausgezeichnetes
zu bieten vermögen. Panhorsts
erstklassige Polster- und Ledermöbel gehören
mit zu den schönsten der gesamten Ausstellung.

Im Vorraum heben sich von weißen Wänden
schwere Mahagonimöbel ab. Dieses kostbare
Holz ist seit vielen Geschlechtern in
Bremen beliebt. Wir heutigen genießen es in
seiner natürlichen Schönheit. Dem Bremer
würde dies als zu nüchtern erscheinen. Er bevorzugt
die alte Behandlung in reicher Schnitzerei.
Damit gewinnt schon der Eingang eine stattlich
wuchtige Gebärde. Im Schlafzimmer stehen
elfenbeinfarbige Möbel auf hellbraunem Grunde.
Ist ihre farbig-plastische Zier auch nicht sehr
glücklich, so trägt sie immerhin das ihrige bei,
die heitere Stimmung des sonnig frohen Raumes
zu heben. Mit dem Damenzimmer tun wir
einen Schritt in die halbe Öffentlichkeit eines
Gesellschaftsraumes. Das wohnlich Bequeme
steigert sich hier bis zum Verwöhnten und zu
bewußter Repräsentation. Das Herrenzimmer
ist von einer ruhigen, breiten, einladenden Stimmung
. Zu den warmen, dunkelbraunen Wandtönen
fügt sich wohl die gewichtige Nußbaumeinrichtung
; prachtvolle Polstermöbel, mit Saffian
überzogen, erwecken den Eindruck des
Luxuriösen; gesteigert durch Bilder, Mappen,
Plastiken und wertvolle Bilder. Die farbige

Gesamtnote ist auch hier wohl abgewogen. Der
Musikraum gibt sich wie ein leichter, freier
Gartensalon, die gedämpften Wandmalereien
von Fitger und Schroeder verleihen ihm Zurückhaltung
. Die Einrichtung hat etwas frauenhaft
Gepflegtes von starker Altertümelei. Das
Speisezimmer, kraftvoll und dunkel gehalten, hat
eine gemessene Festlichkeit, die durch das wertvolle
Silberzeug gesteigert wird. Das japani-
sierende Frühstückszimmer, mit den Glasmalereien
von Rohde, ist in den Proportionen seiner
zierlichen Möbel recht glücklich. Die beiden
Fremdenzimmer, die für Wohnen und Schlafen
dienen, haben trotz aller Einfachheit durch ihre
farbige Haltung etwas recht Anheimelndes.

Man darf von Bremens modernen Kunstbemühungen
nicht scheiden, ohne auch jener
Kaufleute zu gedenken, die eine zeitgemäße
Reklame und Darbietung ihrer Waren in Packungen
und Ladeneinrichtungen pflegen. Am großzügigsten
hat dies die Kaffee-Hag-Gesellschaft
getan. Aber auch die Schokoladenfabrik Hachez,
wie die Zigarettenfabriken Engelhardt und Goldina
sind in ihren Pavillons besonders zu nennen.

Der treue Bremer Bürgersinn hat sich in den
außerordentlichen Opfern für diese Ausstellung
glänzend bewährt. Möge er in solcher Weise
weiterwirken und der besten modernen Kunst
immer mehr Vertrauen, Liebe und Pflege zuteil
werden lassen. Jos. Popp

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