Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 48. Band.1923
Seite: 62
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ARCH. HUGO EBERHARDT-OFFEN BACH A.M.

HAUS RUPPERT, BUCHSCHLAG

TIERPLASTIKEN VON WILHELM KRIEGER

Kriegers Ausstellung seiner Tierplastiken in der
Kunsthandlung von Brakl in München wurde
als ein freudiges Erlebnis empfunden. Es waren
etwa 30 Stücke zu sehen: Vögel und Vierfüßler.

Von Schule und Richtung war da nichts
zu spüren. Diese Tiere erinnern höchstens an
altägyptische. Das ist aber nicht die Folge bewußter
Anlehnung. Im Gegenteil, als ich Krieger
nach seinem Verhältnis zu den ägyptischen
Tierplastiken fragte, erklärte er, er habe diese
am wenigsten studiert, und zwar aus einem
Gefühl heraus, das er schwer beschreiben könne.
„Mich beschleicht immer etwas wie Angst, wenn
ich Abbildungen oder sogar ägyptische Originale
sehe, als fürchtete ich eine Beeinflussung.
Wenn ich arbeite, denke ich nur an das Tier
und sein Wesen und dann an das Material,
das ich ebenso respektiere. Mehr braucht man
ja auch nicht. Alles andere hält nur auf und
stört." Das sind seine eigenen Worte. Krieger,
ein Mann von liebenswürdigster Bescheidenheit,
tritt den Tieren nicht mit dem Gefühle menschlicher
Überlegenheit, sondern mit dem der Ehrfurcht
gegenüber, denn er sieht in ihnen eine
Offenbarung des Ewigen, Göttlichen. Das bewahrt
ihn davor, ihnen menschliche Empfindungen
anzudichten oder sie zu den Menschen
in eine erzwungene Beziehung zu setzen. Seine
Tiere sind reine Natur, sind nur ihrer selbst
willen da, wollen nicht gefallen, nicht gestört,
am liebsten gar nicht gesehen werden: der
Künstler macht uns zu ihren unbemerkten Be-
lauschern. Seine Ehrfurcht vor dem Tiere bewahrt
ihn auch vor einer Idealisierung, die
ihrer Schönheit etwas glaubt hinzusetzen zu
können, und ebenso vor einer Ironisierung und
Karikierung, denn zum Lachen und zum Spotten
geben sie ihm keinen Anlaß. Wenn sich seine
Kunst mit der der alten Ägypter berührt, so doch
wohl nur deshalb, weil er dem Tiere mit einem
ähnlich frommen Schauer gegenübersteht, wie
jene, die ihm göttliche Verehrung darbrachten.

Daraus erklärt sich auch Kriegers strenge
Stilisierung. Von klein auf war ihm nach eigenem
Bekenntnis alles überflüssige Geschnörkel
und Drum-und-Dran ein Greuel. Deshalb hielt

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